{"id":94523,"date":"2022-04-18T12:32:11","date_gmt":"2022-04-18T12:32:11","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=94523"},"modified":"2022-04-18T13:03:36","modified_gmt":"2022-04-18T13:03:36","slug":"straussianer-nur-eine-theorie-oder-steckt-doch-etwas-dahinter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=94523","title":{"rendered":"Straussianer(!) Nur eine &#8222;Theorie&#8220; oder steckt doch etwas dahinter?"},"content":{"rendered":"<p><em><em><strong>Cogito, ergo sum<\/strong><br \/>\n<img src=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/tagesspiegel\/25483266\/2-format6001.jpg?inIsFirst=true\" alt=\"\" \/><\/em><\/em><\/p>\n<p>Nein&#8230;<br \/>\nZumindest nach einer KURZEN Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfung meiner Seitz&#8230;<br \/>\nNa ja&#8230;<br \/>\nH\u00e4lt im ersten Augenblick gewissen FRAGEN nicht Stand ABER es sollte nicht au\u00dfer acht gelassen werden, ich hatte es angek\u00fcndigt; WIRD ein langer ARTIKEL&#8230;<br \/>\nMit dem Ziel das es meine Leser verstehen!<\/p>\n<p>Ich selbst bin im Moment NICHT in der Lage zu schreiben, WERDE ABER sobald es geht diese &#8222;einzelnen Informationen&#8220; zusammenf\u00fchren damit ihr versteht.<\/p>\n<p>&#8222;INTELLEKTUELLE<br \/>\n<strong>Die Leo-Konservativen<\/strong><br \/>\nEin geheimnisvoller Zirkel von Beratern und publizistischen Helfern um den US-Pr\u00e4sidenten George W. Bush gibt seit Wochen Anlass zu allerlei Verschw\u00f6rungstheorien und Debatten &#8211; das Idol der Clique, hei\u00dft es, sei der deutsch-j\u00fcdische Philosoph Leo Strauss.<br \/>\nVon Gerhard Sp\u00f6rl<br \/>\n03.08.2003, 13.00 Uhr \u2022 aus DER SPIEGEL 32\/2003<\/p>\n<p>Der deutsche Philosoph, der da in den USA pl\u00f6tzlich erstaunlich popul\u00e4r ist, war nie ein Linker, sondern immer mit Leib und Seele ein Konservativer. Es handelt sich nicht etwa um Theodor W. Adorno, dessen 100. Geburtstag bevorsteht, oder um Herbert Marcuse, dessen sterbliche Reste gerade von New Haven (Connecticut) nach Berlin umgebettet wurden, sondern um einen von deutschen Intellektuellen bislang wenig beachteten Zeitgenossen der beiden Mitbegr\u00fcnder der Frankfurter Schule: Leo Strauss. Auch Strauss war ein deutscher Jude, auch er emigrierte in die USA, und er blieb dort sein Leben lang. Sein Tod j\u00e4hrt sich im Herbst zum 30. Mal.<\/p>\n<p>Unter denen, die aus Hitlers Deutschland auswandern mussten, bildete Leo Strauss eine bemerkenswerte Ausnahme: Anders als seine Schicksalsgenossen erhielt der kleine, gr\u00fcndliche Denker mit der leisen Stimme fr\u00fchzeitig eine Professur an der gro\u00dfen, hoch renommierten Universit\u00e4t von Chicago. Au\u00dferdem ist er der einzige deutsche Emigrant, der in den Vereinigten Staten eine weit verzweigte Denker-Schule gr\u00fcndete. Ihr Einfluss reicht bis in die inneren Machtzirkel Washingtons.<\/p>\n<p>Was hat es auf sich mit seinen Sch\u00fclern, den \u00bbStraussianern\u00ab, die seit dem Ende des Irak-Kriegs so h\u00e4ufig beschworen und beschrieben wurden, dass sie fast schon eine Intellektuellen-Legende geworden sind? Sie gelten als eine neokonservative Verschw\u00f6rergruppe, als kleiner, elit\u00e4rer Orden, der der Regierung Bush die Wege weist &#8211; und wenn es krumme Wege sind, ihr das gute Gewissen besorgt. Sie finden sich unter den Richtern im Supreme Court, sie arbeiten im Wei\u00dfen Haus und im Pentagon.<\/p>\n<p>Was sie denken, haben sie \u00fcberwiegend bei Strauss gelernt. Allerdings sind sie machtbewusster als der Meister. Sie wollen Amerika ver\u00e4ndern, nicht nur interpretieren.<\/p>\n<p>Der Washingtoner Ableger der \u00bbStraussianer\u00ab traf sich k\u00fcrzlich, wie allj\u00e4hrlich im Juli, zum Grillen, Baseballspielen und Plaudern \u00fcber Vergangenheit und Gegenwart in einem Park der Hauptstadt. Mehr als 60 Leute aus dem inneren und \u00e4u\u00dferen Kreis der Regierung kamen da zusammen. Paul Wolfowitz, der kriegstreibende Ideenspender der Regierung Bush, war da und auch Abram Shulsky, ein Geheimdienstfachmann im Pentagon, der zusammen mit Francis Fukuyama ein Buch geschrieben hat.<\/p>\n<p>William Kristol, der den \u00bbWeekly Standard\u00ab &#8211; ein Blatt mit einer Auflage von 60 000, aber gro\u00dfem Einfluss in Washington &#8211; herausgibt, war mit von der Partie, auch Leon Kass, der im Auftrag des Pr\u00e4sidenten Richtlinien f\u00fcr die Stammzellenforschung erarbeiten soll &#8211; auch sie Sch\u00fcler des Leo Strauss.<\/p>\n<p>Barbecue mit Kind und Kegel im Sonnenschein sind eigentlich unverd\u00e4chtige Feiertagsvergn\u00fcgungen. Doch so ziemlich alle Bewegungen der \u00bbStraussianer\u00ab stehen momentan unter Generalverdacht. Die Bedenken und Bef\u00fcrchtungen kommen von links, sie sind ein Versuch, die kulturelle Hegemonie der \u00bbNeocons\u00ab zu brechen, die mit der Pr\u00e4sidentschaft George W. Bushs begann und seit den Terroranschl\u00e4gen am 11. September 2001 das patriotische Amerika durchdrungen hat.<\/p>\n<p>Der zentrale Einwand: Die Strauss-Clique mag der zweiten Machtebene angeh\u00f6ren, aber in Wahrheit verficht sie eine Ideologie der Sonderrolle Amerikas im 21. Jahrhundert, nach der dann Donald Rumsfeld, Dick Cheney und Bush handeln.<\/p>\n<p>Wolfowitz und andere Straussianer formieren sich zu einer Avantgarde der konservativen Revolution, die im Grunde genommen die Idee der liberalen Demokratie verachtet.<\/p>\n<p>Die Spinne im Netz ist bei alldem der kleine, exzentrische Professor aus dem Weimar-Deutschland, der ein Ver\u00e4chter der Aufkl\u00e4rung war und den demokratischen Liberalismus f\u00fcr einen S\u00fcndenfall der Politik hielt.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist die Debatte aus der \u00bbNew York Times\u00ab und dem \u00bbNew Yorker\u00ab auch her\u00fcber nach Deutschland geschwappt. Hier zu Lande wurde Strauss Zeit seines Lebens &#8211; er starb 1973 &#8211; kaum wahrgenommen. Erst seit einigen Jahren macht sich Heinrich Meier, der Leiter der Siemens-Stiftung in M\u00fcnchen, um die Herausgabe und philosophische Einordnung von Strauss&#8220; Werk verdient.<\/p>\n<p>Auch Meiers eigene Studien \u00fcber Strauss, zumal \u00fcber dessen Verh\u00e4ltnis zu dem katholischen Staatsrechtler Carl Schmitt, sind durch die Debatte \u00fcber die geistigen Grundlagen des Bushismus schlagartig aktuell geworden*.<\/p>\n<p>Doch wie reiht sich Strauss in die deutsche Ideengeschichte ein? Der Berliner Historiker<\/p>\n<p>Heinrich August Winkler zog in der \u00bbZeit\u00ab weit reichende Schl\u00fcsse aus der Tatsache, dass Strauss freundlichen Umgang mit Carl Schmitt pflegte, dem Kritiker des Parlamentarismus und geistigen Wegbereiter der Nazis: Es gebe Parallelen zwischen der \u00bbKonservativen Revolution\u00ab vor der Machtergreifung Hitlers und der heutigen Situation in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Die Straussianer h\u00e4tten \u00bbunter Bush dem J\u00fcngeren gefunden, was Carl Schmitt letztlich vergebens gesucht hatte: den ,Zugang zum Machthaber&#8220;\u00ab, so Winkler.<\/p>\n<p>Ganz so leicht ist trotzdem nicht zu kl\u00e4ren, ob Leo Strauss wirklich zum d\u00e4monisierten \u00bbPaten der Bush-Mafia\u00ab taugt. Nach den strengen Ma\u00dfst\u00e4ben, die er selber anlegte, war Strauss eigentlich kein Philosoph, weil er kein systematisches Werk hinterlassen hat. Seine St\u00e4rke lag in der Interpretation der gro\u00dfen philosophischen Literatur von Plato \u00fcber Sokrates, Spinoza, Machiavelli und Hobbes bis hin zu Martin Heidegger. In seinen fr\u00fchen Jahren kreiste sein Denken um die Theologie, sp\u00e4ter um die politische Philosophie, um die \u00bbFrage nach dem Richtigen\u00ab.<\/p>\n<p>Strauss war so gr\u00fcndlich gebildet, wie man sich einen gr\u00fcndlichen deutschen Professor nur vorstellen kann. Weil er klar und verst\u00e4ndlich schrieb, lassen sich seine B\u00fccher, im Deutsch der Vorkriegszeit geschrieben, heute noch gut lesen.<\/p>\n<p>Seine Tochter Jenny, die an der Universit\u00e4t von Virginia antike Poetik lehrt, besitzt ein Foto des Elternhauses im hessischen Kirchhain bei Marburg, in dem ihr Vater, 1899 geboren, aufwuchs.<\/p>\n<p>Es zeigt ein einfaches, stattliches Haus ohne gr\u00fcnderzeitliche Ornamentik. Die Familie Strauss war im Getreidehandel t\u00e4tig und hielt nebenbei H\u00fchner und Gefl\u00fcgel.<\/p>\n<p>Der begabte Sohn Leo \u00fcbertrug die unpomp\u00f6se Geradlinigkeit auf seine Philosophie: So viele Br\u00fcche es im Leben eines deutschen Juden, der Soldat im Ersten Weltkrieg war, 1932 emigrierte und in Amerika seine Bl\u00fctejahre erlebte, zwangsl\u00e4ufig geben musste, so folgerichtig entfaltete sich doch sein Denken.<\/p>\n<p>Er promoviert 1921 bei Ernst Cassirer und bleibt auf der Suche nach Autorit\u00e4t und Orientierung. Er lehnt sich vor\u00fcbergehend an den Neukantianismus an, die herrschende Vorkriegsphilosophie, und ist unzufrieden mit Max Webers Glauben an die Wertfreiheit wissenschaftlicher Urteile. Doch dann trifft er auf den Mann, den diese Generation junger Philosophen, zu der auch Herbert Marcuse, Karl L\u00f6with oder G\u00fcnther Anders geh\u00f6ren, f\u00fcr den tiefsten Denker ihrer Zeit hielt: Martin Heidegger.<\/p>\n<p>Wie Heidegger zog Strauss eine radikale Konsequenz aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs und der Dauergef\u00e4hrdung der Weimarer Republik: F\u00fcr ihn war damit geschichtlich bewiesen, dass sich die Aufkl\u00e4rung mit ihrem positiven Menschenbild und Fortschrittsglauben als Illusion erwiesen hatte. Als gleicherma\u00dfen hinf\u00e4llig erwies sich aus seiner Sicht die Hoffnung, dass eine liberale Demokratie die Staats- und Gesellschaftsordnung der Zukunft sei. Daran hat Strauss bis an sein Lebensende festgehalten.<\/p>\n<p>Allerdings missfiel ihm an Heideggers Hauptwerk \u00bbSein und Zeit\u00ab (1927) der von aller m\u00f6glichen Begr\u00fcndung der Moral absehende Existenzialismus, der \u00bbden Tod als Gott\u00ab (Strauss) verehre &#8211; was den Philosophen aus Todtnauberg anf\u00e4llig f\u00fcr die nihilistische Todessehnsucht des Nationalsozialismus gemacht habe. Strauss hingegen entwickelte in der Auseinandersetzung mit Heidegger eine leicht exzentrische Theorie, die viele Jahre sp\u00e4ter in Amerika eine verbl\u00fcffend begierige Rezeption fand.<\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nnten sich Philosophen, so geht seine \u00dcberlegung, im Gefolge Nietzsches der Frage widmen, was der Tod Gottes und die Abkehr von der Religion f\u00fcr das Denken und das Sein bedeute. Aber Staaten k\u00f6nnten ohne den inneren Zusammenhalt, den der Glaube verleiht, nicht existieren. Zu einer stabilen Ordnung geh\u00f6re deswegen die Religion als Bindemittel &#8211; sie ist zugegeben Opium f\u00fcrs Volk, aber ein unerl\u00e4ssliches Opium. Liberale Demokratien wie die Weimarer Republik sind aus Strauss&#8220; Sicht auf Dauer nicht lebensf\u00e4hig, weil sie ihren B\u00fcrgern keinen geistig-moralischen Halt bieten.<\/p>\n<p>Die praktische Konsequenz daraus ist fatal: Eliten haben demnach das Recht, ja geradezu die Pflicht zur Manipulation der Wahrheit. Sie d\u00fcrfen zu den \u00bbfrommen L\u00fcgen\u00ab und dem selektiven Gebrauch der Wahrheit Zuflucht nehmen, wie es Plato empfiehlt.<\/p>\n<p>Vor allem diese Bausteine einer politischen Theorie, die Strauss Zeit seines Lebens vertrat, tragen ihm heute in Amerika den Vorwurf ein, er habe an den Nazis die Methoden der Massenmanipulation studiert. Und \u00bbStraussianer\u00ab wie Wolfowitz und die anderen Betreiber des Irak-Krieges stehen jetzt im Verdacht, sie h\u00e4tten nur die politische Lehre aus Strauss f\u00fcr ihre Zwecke gezogen. Die zum Teil fingierten Gr\u00fcnde f\u00fcr den Krieg gegen Saddam Hussein sind, so gesehen, das philosophische Erbe des Emigranten aus Deutschland.<\/p>\n<p>So entsteht eine Verschw\u00f6rungstheorie, wonach Strauss der Marionettenspieler ist, an dessen F\u00e4den die Regierung Bush h\u00e4ngt. Dabei sind antisemitische Obert\u00f6ne &#8211; Strauss als \u00bbNazi-Jude\u00ab &#8211; kaum zu \u00fcberh\u00f6ren, zumal viele seiner Sch\u00fcler j\u00fcdische Namen &#8211; Paul Wolfowitz, Abram Shulsky, Harvey Mansfield, William Kristol &#8211; tragen.<\/p>\n<p>Strauss selbst nahm gr\u00f6\u00dferen Anteil an der Antike als an der Gegenwart. Hans Jonas, der seit den zwanziger Jahren mit ihm befreundet war, schreibt in seinen \u00bbErinnerungen\u00ab, Strauss sei \u00bbein ungeheuer weltfremder und \u00e4ngstlicher Mensch\u00ab gewesen. Tats\u00e4chlich war er ein tiefer Pessimist und neigte dem Gedanken zu, dass in der Geschichte nur Niedergang und Verfall zu erwarten seien.<\/p>\n<p>Paradoxerweise hatte der Pessimist in entscheidenden Lebensmomenten ausgesprochenes Gl\u00fcck. Er verlie\u00df Deutschland schon 1932, vor der Machtergreifung Hitlers. Carl Schmitt, dessen Lehre von der Unterscheidung zwischen Freund und Feind als Ursprung des Politischen Strauss wohlwollend rezensiert hatte, verschaffte ihm ein Stipendium der Rockefeller Stiftung. So kam er erst nach Frankreich und sp\u00e4ter nach England, wo er sein \u00bbHobbes\u00ab-Buch zu Ende schrieb, das noch heute Achtung genie\u00dft. 1938 schlie\u00dflich, ehe der Zweite Weltkrieg ausbrach, kam Strauss in Amerika an.<\/p>\n<p>Er \u00fcberwinterte zun\u00e4chst an der New Yorker \u00bbUniversit\u00e4t im Exil\u00ab, wie die New School for Social Research genannt wurde, weil sich j\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge aus vielen L\u00e4ndern Europas hier einfanden: Hannah Arendt, Hans Jonas, Karl L\u00f6with, Arnold Brecht, Adolph L\u00f6we, Kurt Riezler &#8211; insgesamt 180 Geistesgr\u00f6\u00dfen. Sarkastisch nannten sie sich \u00bbHitlers Geschenk an die Vereinigten Staaten\u00ab.<\/p>\n<p>Strauss hatte keine un\u00fcberwindbaren Anpassungsprobleme an Amerika, das ihm v\u00f6llig fremd war. Er sprach viele Sprachen, sein Englisch behielt bis zuletzt einen leichten Akzent. Und als w\u00e4re es eine List der &#8211; ausgerechnet &#8211; Hegelschen Vernunft, sorgte das Gl\u00fcck wieder f\u00fcr ihn vor: 1948 erhielt er den Ruf nach Chicago, um politische Philosophie zu lehren.<\/p>\n<p>Damals war Chicago mehr als heute eine herausragende Universit\u00e4t. Die Rockefeller-Stiftung, deren Geld die Elite-Universit\u00e4ten an der Ostk\u00fcste verschm\u00e4hten, sorgte f\u00fcr die Ausstattung. Zudem hatte der autokratische Universit\u00e4tspr\u00e4sident Robert M. Hutchins ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Talente. So kam es, dass kurz nach dem Krieg drei Professoren nebeneinander lehrten, die gr\u00f6\u00dften Einfluss auf die Eliten bis in die Gegenwart hinein aus\u00fcben sollten.<\/p>\n<p>Da war Hans J. Morgenthau, ebenfalls ein Emigrant aus Deutschland, aber anders als Strauss auf die gedankliche Durchdringung der Wirklichkeit ausgerichtet. Die gr\u00f6\u00dfte Wirkung erzielte er mit seinen Thesen \u00fcber eine neue realistische Au\u00dfenpolitik &#8211; die Grundlage f\u00fcr eine illusionslose Haltung gegen\u00fcber der Sowjetunion im Kalten Krieg, die bald Regierungspolitik war. Der gelehrigste Sch\u00fcler Morgenthaus war jener Emigrant aus F\u00fcrth, der es zum Sicherheitsberater und Au\u00dfenminister unter Richard Nixon brachte: Henry Kissinger. Seine Variante der Realpolitik &#8211; Koexistenz auch mit Autokraten oder Diktatoren, wenn es das Eigeninteresse gebietet &#8211; haben erst die Neokonservativen au\u00dfer<\/p>\n<p>Kraft gesetzt: Sie ist ihnen zu wenig moralisch und zu sehr dem Status quo verhaftet.<\/p>\n<p>Der zweite Chicagoer Professor von bleibendem Gewicht war Milton Friedman, der f\u00fcr seine Theorie des Monetarismus 1976 den Nobelpreis f\u00fcr \u00d6konomie erhielt. Er war ein Sch\u00fcler Friedrich August von Hayeks, der seit 1950 ebenfalls in Chicago lehrte, aber zu seiner Erbitterung im Schatten von John Maynard Keynes und dessen Lehre von der Staatsintervention in Krisenzeiten des Marktes stand.<\/p>\n<p>Friedman ist eine Doppelbegabung, ein beliebter Universit\u00e4tslehrer und gesuchter Berater, den Pr\u00e4sidenten von Johnson \u00fcber Nixon bis Reagan heranzogen. Er empfahl den R\u00fcckzug des Staates vom Markt, woraus die Lehre von der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik entstand: Der Kapitalismus entwickelt sich dann am besten, wenn der Profit und der Konsum durch Steuerk\u00fcrzungen wachsen. Diese riskante Wirtschaftspolitik, die unter Reagan schon f\u00fcr ein rasantes Staatsdefizit sorgte, hat der derzeit amtierende Pr\u00e4sident wiederaufgenommen &#8211; mit demselben Effekt.<\/p>\n<p>Der Dritte im Bunde ist Leo Strauss, der weder Morgenthaus Gegenwartssinn noch Friedmans F\u00e4higkeit zum Umgang mit den M\u00e4chtigen besa\u00df. Dass er \u00fcber seinen Tod hinaus geh\u00f6rigen Einfluss auf Politik und Politiker hat, wirkt paradox: Er war ja ein Konservativer, der nicht an die Wendung der Dinge zum Besseren glaubte. Er blieb im Herzen ein Weimarianer, auf der liberalen Demokratie ruhte f\u00fcr ihn kein Segen. Alle Skepsis richtete er gegen den Pluralismus und Relativismus dieser Ordnung. So anders Amerika auch sein mochte, so wenig fasste er Vertrauen zu diesem Projekt der Moderne.<\/p>\n<p>Leo Strauss wollte eigentlich nur ein Lehrer sein, der seine Studenten in die Gedankenwelt der Alten einf\u00fchrt. Schon bei Plato, Sokrates und Xenophon lie\u00dfen sich, so sah er die Dinge, die ewigen Kraftfelder studieren, in denen Menschen und Staaten zu allen Zeiten stehen, nicht zuletzt in der Gegenwart: Was ist Gerechtigkeit, was ist das gute Leben, was macht den Staat aus, wo liegen die Grenzen unseres Wissens?<\/p>\n<p>In der Gegenwart stellten sich diese Fragen, so argumentierte Strauss, im Wirbel der Ereignisse und blieben schwer durchschaubar. In den gro\u00dfen Texten der Vergangenheit aber werden sie in Reinkultur verhandelt. Der Nachteil bestand jedoch darin, dass der Professor es beim Betrachten der Probleme belie\u00df, weil er nicht an deren L\u00f6sbarkeit glaubte.<\/p>\n<p>Doch einige seiner Sch\u00fcler beseelte mehr Tatendrang. Sie wollten verstehen, um zu handeln. Von der europ\u00e4ischen Theorie gingen sie \u00fcber auf die Praxis in Amerika.<\/p>\n<p>Strauss&#8220; Seminare und Vorlesungen bekamen bald Kult-Charakter. In sie str\u00f6mten auch katholische Priester oder Vertreter aus dem Chicagoer Establishment. Damit ihn das wachsende Publikum auch wirklich h\u00f6ren konnte, lie\u00df sich der Professor ein Mikrofon umh\u00e4ngen, was damals eine gr\u00f6\u00dfere Prozedur zu Beginn jeder Vorlesung gewesen sein muss. In den sechziger Jahren nahmen seine Sch\u00fcler dann auf Tonband auf, was Strauss mittwochs nachmittags, immer ab 15.30 Uhr, vortrug.<\/p>\n<p>So viel Erfolg schuf Neider. Sie stie\u00dfen sich daran, dass ein Professor der politischen Philosophie in dieser Zeit am liebsten \u00fcber die Antike las, ohne R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Gegenwart zu ziehen &#8211; auf die bipolare Welt, den Kalten Krieg, die neuen Atomwaffen. Ewige Wahrheiten, vorzugsweise gewonnen aus Xenophon, Sokrates, Plato? Widerlegung der Moderne durch Widerlegung von Hobbes? Zum ersten Mal tauchten jene Stichw\u00f6rter auf, die Strauss auch in der heutigen Debatte anhaften: Nihilismus, Elitismus, Esoterik.<\/p>\n<p>Seine Sch\u00fcler waren jedoch fasziniert von der Welt, die er ihnen erschloss. Zu ihm str\u00f6mten alsbald die Besten und Kl\u00fcgsten ihrer Jahrg\u00e4nge, viele von ihnen wiederum Juden. Sie seien vom Krieg gepr\u00e4gt gewesen, oft links gestimmt, Leser von Marx und Freud, erz\u00e4hlen Walter Berns und Werner Dannhauser, zwei Straussianer der ersten Stunde, die selber Professoren wurden. Der Mann aus Weimar habe sie denken gelehrt und ihnen Achtung vor gro\u00dfen Philosophen eingefl\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>So weltabgewandt Strauss auch war, so gegenwartsm\u00e4chtig wurde er, als der Neokonservativismus Mitte der sechziger Jahre seine Anf\u00e4nge nahm. Die wirklichen Paten der Neocons sind in der Familie Kristol zu finden. Irving Kristol pr\u00e4gte den klassischen Satz: \u00bbEin Neokonservativer ist ein Linker, den die Wirklichkeit \u00fcberfallen hat.\u00ab<\/p>\n<p>Gertrude Himmelfarb, Kristols Frau, hatte Strauss 1950 entdeckt. Von ihr stammt die klassische Streitschrift \u00bbEin Land, zwei Kulturen\u00ab. Sie kritisiert nicht nur den Verlust an Zivilit\u00e4t und protestantischer Arbeitsethik, die permissive Moral und sexuelle Revolution, sondern sieht in alldem eine Folge des entfesselten Liberalismus im demokratischen Amerika.<\/p>\n<p>Das ist Strauss in Reinkultur, allerdings durch Kulturk\u00e4mpfer vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe gestellt. Irving Kristol vollendete diese Umkehrung, indem er Strauss&#8220; Gedanken aufnahm, Religion sei als Bestandsgarantie einer Staatsordnung unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Der Professor hatte an Amerikas Gr\u00fcndung missbilligt, dass die Glaubensfl\u00fcchtlinge Staat und Religion trennten, anstatt eine Religion verbindlich zu machen. Kristol, ein blendender Agitator als Journalist, kannte Amerika besser &#8211; mindestens 150 Millionen mehr oder minder gl\u00e4ubige Menschen, vorrangig Katholiken oder Protestanten, eine Alltagsfr\u00f6mmigkeit, die sich auch in zahllosen Sekten organisierte und eine politische Machtbasis f\u00fcr die konservativ erneuerten Republikaner darstellte.<\/p>\n<p>Originell an der neokonservativen Ideologie war die Entdeckung, dass die politisch entscheidenden Schlachten in Amerika um kulturelle Werte gef\u00fchrt werden. Die Linke hatte propagiert, das Private sei politisch. Die \u00bbNeocons\u00ab nehmen sie beim Wort. Der Staat soll sich &#8211; mit Milton Friedman &#8211; aus der Wirtschaft heraushalten, aber nicht aus dem Schlafzimmer seiner B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Schlachten in Amerika werden seither um Abtreibung und Todesstrafe, um Homosexualit\u00e4t oder Sex vor der Ehe gef\u00fchrt &#8211; um die moralischen Werte eines christlich gestimmten Landes, dem Liberalit\u00e4t als Gesinnung verd\u00e4chtig ist. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, welche Richter in den Supreme Court gew\u00e4hlt werden, denn sie bestimmen in letzter Instanz \u00fcber den Grad an Liberalit\u00e4t in Amerika, weil die wichtigsten Streitf\u00e4lle fr\u00fcher oder sp\u00e4ter bei ihnen landen. Unter den neun Richtern gilt der erzkonservative Clarence Thomas als Straussianer.<\/p>\n<p>Die erste Phase der neokonservativen Revolution fand unter Ronald Reagan ihre Erf\u00fcllung. Die zweite Phase findet nun unter George W. Bush statt, dem wiedergeborenen Christen, der wei\u00df, wie wichtig Religion ist &#8211; f\u00fcr den patriotischen Zusammenhalt des Landes und f\u00fcr seine Wiederwahl, f\u00fcr die er unbedingt die Stimmen der wohlorganisierten christlichen Gruppen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Zurzeit steht die Au\u00dfenpolitik im Zentrum der konservativen Revolution. \u00bbF\u00fcr Verschw\u00f6rungstheoretiker ist die Au\u00dfenpolitik der Bush-Regierung ganz und gar eine Sch\u00f6pfung von Strauss\u00ab, meint die \u00bbNew York Times\u00ab. Davon kann allerdings keine Rede sein. Diese Ehre geb\u00fchrt in erster Linie Paul Wolfowitz und Richard Perle, die schon seit dem Ende des Kommunismus f\u00fcr die volle Machtentfaltung des einzigen Weltregenten und f\u00fcr den Krieg als Mittel der Politik pl\u00e4dieren.<\/p>\n<p>Diese beiden Neocons allerdings sind Sch\u00fcler eines anderen Professors mit deutschem Namen, der ebenfalls in Chicago lehrte, aber dort erst kurz vor Strauss&#8220; Emeritierung ankam: Albert Wohlstetter, geboren in New York, lehrte die Theorie der Sicherheitspolitik und hatte auf Wolfowitz (der bei Strauss lediglich zwei Kurse besucht hatte) und Perle eine bleibende Wirkung. Aggressivit\u00e4t statt Passivit\u00e4t in der Au\u00dfenpolitik, der Wille zur Ver\u00e4nderung statt des alten Status-quo-Denkens lassen sich auf Wohlstetter zur\u00fcckf\u00fchren &#8211; die Voraussetzungen der neuen Pax Americana.<\/p>\n<p>Strauss war nach der Emigration nur noch einmal in Deutschland gewesen, in den f\u00fcnfziger Jahren, eingeladen von seinem Freund Karl L\u00f6with. Am Ende seines Lebens, sagt seine Tochter Jenny, habe sich ihr Vater isoliert gef\u00fchlt; er habe Schwierigkeiten gehabt, seine B\u00fccher wiederauflegen zu lassen. Das hat sich jetzt ge\u00e4ndert. GERHARD SP\u00d6RL<\/p>\n<p>* Heinrich Meier: \u00bbCarl Schmitt, Leo Strauss und &#8220;Der Begriffdes Politischen&#8220;\u00ab. Zu einem Dialog unter Abwesenden. Verlag J. B.Metzler, Stuttgart; 192 Seiten; 24,90 Euro. Vom selben Autorerschien soeben im selben Verlag: \u00bbDas theologisch-politischeProblem\u00ab. Zum Thema von Leo Strauss. 88 Seiten; 9,95 Euro.* Parade am Gay Pride Day in New York (2000). &#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/die-leo-konservativen-a-a083a48d-0002-0001-0000-000028102441<\/p>\n<p>&#8222;<strong>Mastermind der Neokonservativen<\/strong><br \/>\nAls sich Richard Perle, Mitglied des Defense Policy Board und einer der sogenannten Vordenker der Aussenpolitik der Bush-Regierung, unl\u00e4ngst in Berlin der Diskussion stellte, ging es zu Beginn recht ruppig zu. Bevor die vom vornehmen Aspen-Institute arrangierte Diskussion von Stapel<\/p>\n<p>06.07.2003<\/p>\n<p>Als sich Richard Perle, Mitglied des Defense Policy Board und einer der sogenannten Vordenker der Aussenpolitik der Bush-Regierung, unl\u00e4ngst in Berlin der Diskussion stellte, ging es zu Beginn recht ruppig zu. Bevor die vom vornehmen Aspen-Institute arrangierte Diskussion von Stapel gehen konnte, erklomm ein abenteuerlich aussehender junger Mann die B\u00fchne, rief einige Webadressen ins Publikum, auf denen angeblich Emp\u00f6rendes zu lesen sei, und verk\u00fcndete dann seine Wahrheit direkt zu Richard Perle gewandt: \u00abYou are a fascist and a Straussian.\u00bb Perle replizierte lakonisch: \u00abIch bezweifle sehr, dass Sie \u00fcberhaupt wissen, was ein Straussianer ist.\u00bb<\/p>\n<p>Straussianer &#8211; so nennt man die Sch\u00fcler und Anh\u00e4nger des politischen Philosophen Leo Strauss, der zwischen 1949 und 1968, dem Jahr seiner Emeritierung, an der University of Chicago eine einflussreiche Schule der Politikwissenschaft aufbaute. Die Strauss- Schule war wichtig f\u00fcr die Formierung des amerikanischen Neokonservativismus, vor allem f\u00fcr dessen wertkonservativen, weniger f\u00fcr dessen wirtschaftsliberalen Fl\u00fcgel. Irving Kristol, einer der starken Theoretiker der Neocons, war ebenso bekennender Strauss-Leser wie sein Sohn William Kristol, der Herausgeber des einflussreichen \u00abThe Weekly Standard\u00bb.<\/p>\n<p>Seit den Reagan-Jahren und bis heute wird den Straussianern regelm\u00e4ssig erheblicher Einfluss in der Politik der konservativen Regierungen nachgesagt. Vom Philosophen Stephen Toulmin geht das Wort, in der Regierung verst\u00fcnden einige mehr von den Schriften des Leo Strauss als von den Dingen dieser Welt.<\/p>\n<p>Hier nun trennen sich die Wege. Die vier F\u00fcnftel der Menschheit, die verschw\u00f6rungstheoretisch denken, ergeben sich der Fischerei im Tr\u00fcben. Sie surfen durch Websites und rechnen nach, welcher Beamte der Bush-Regierung wie lange bei welchem Straussianer studiert hat und wie der Weg von der bekannten polemischen Prinzipienfestigkeit der Straussianer zur draufg\u00e4ngerischen Politik von Pr\u00e4sident Bush gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das restliche F\u00fcnftel liest auf der Suche nach dem Geheimnis der Straussianer statt aufgeregter Websites lieber gleich die Schriften des Leo Strauss, die seit einigen Jahren in einer fabelhaften deutschen Gesamtausgabe erscheinen und j\u00fcngst mit Hunderten von Briefen erstmals auch den privaten Strauss zeigten.<\/p>\n<p>Die Sache wird dadurch im \u00dcbrigen aufregender und f\u00fcr den politischen und philosophischen Common Sense recht verwirrend. Es stellt sich n\u00e4mlich heraus, dass der angebliche Mastermind der so christlichen Bush-Regierung nicht nur ein bekennender Jude war, sondern obendrein ein bekennender atheistischer Jude. Er studierte sein Leben lang und mit sichtlich existenziellem Interesse die islamisch-arabischen Philosophen des Mittelalters, insbesondere al-Farabi. Und er nahm f\u00fcr sich eine Gedankenfigur in Anspruch, die man heute meist f\u00fcr antisemitisch h\u00e4lt: Er wollte kein Deutscher j\u00fcdischen Glaubens sein, das gab es f\u00fcr ihn so wenig wie gl\u00fcckende Assimilation. \u00abVor die Frage gestellt, welcher Nation ich sei, w\u00fcrde ich antworten, Jude, und nicht Deutscher\u00bb, schreibt er in einem Brief von 1931.<\/p>\n<p>Kaninchen und Platon<br \/>\nEs zeigt sich in diesem Bestehen auf scharfen begrifflichen Alternativen schon beim jungen Strauss ein Zug ins Polemische und Unvers\u00f6hnliche, der all seine B\u00fccher pr\u00e4gen wird und den man in der Rhetorik der Neocons noch heute findet. Scholem nannte gegen\u00fcber Walter Benjamin Strauss wegen seines Bekenntnisses zu einem j\u00fcdischen Atheismus einen intellektuellen Selbstm\u00f6rder.<\/p>\n<p>\u00abAls Juden sind wir radikal, lieben wir keine Kompromisse\u00bb, schrieb der junge Strauss. Und er wurde umso radikaler, je problematischer ihm sein Judentum wurde. Strauss kam 1899 im hessischen Kirchhain als Kind einer j\u00fcdischen Kaufmannsfamilie zur Welt. \u00abIch wuchs in einem konservativen, sogar orthodoxen j\u00fcdischen Zuhause in l\u00e4ndlicher Umgebung auf\u00bb, sagte Strauss 1970, drei Jahre vor seinem Tod, in einem Gespr\u00e4ch, \u00abals ich sechzehn war und wir in der Schule Platons \u2039Laches\u203a lasen, entwickelte ich den Plan, mein Leben mit Kaninchenzucht und Platonlekt\u00fcre zu verbringen, das Geld wollte ich als l\u00e4ndlicher Brieftr\u00e4ger verdienen.\u00bb<\/p>\n<p>Diesem Jugendplan ist Strauss auf verbl\u00fcffende Weise treu geblieben. Fortan stand er vor seinem Lebensthema, das er das \u00abtheologisch-politische Problem\u00bb nannte. Entweder, meinte er, f\u00fchrt man ein theologisches Leben im Glauben, unter den \u00fcberzeitlichen Wahrheiten der Offenbarungsreligionen. Oder man muss den Religionen etwas Gleichwertiges entgegensetzen, f\u00fcr Strauss war das ein politisch-philosophisches Leben unter den den ewigen sokratischen Fragen \u00abWie soll ich leben?\u00bb und \u00abWas ist die richtige Ordnung?\u00bb. Etwas Drittes gab es f\u00fcr ihn nicht.<\/p>\n<p>Deutung und Wahrheit<br \/>\nUnd so wurde Strauss der Platoniker unter den politischen Philosophen der Gegenwart. Die Kompromisse zwischen Religion und Philosophie, die seit der Aufkl\u00e4rung Mode geworden waren, hielt er f\u00fcr faul. Der relativistischen und verwissenschaftlichten amerikanischen Politikwissenschaft und den hedonistischen \u00dcberflussgesellschaften des Westens hielt er vor, die ewigen Fragen gar nicht mehr zu sehen und die Menschen damit um ihr eigentlich Menschliches zu bringen.<\/p>\n<p>So schroff seine Ansichten waren, so verborgen trug Strauss sie vor. Sein Hauptziel, Kritik der Moderne und R\u00fcckgewinnung des antiken Denkhorizonts, hat er gleich doppelt verborgen.<\/p>\n<p>Einmal in der Form seiner B\u00fccher, die meist Kommentare zu Klassikern der politischen Philosophie waren. Und ein zweites Mal in deren Tiefe &#8211; alle Philosophen, sagte Strauss, schrieben eine exoterische Philosophie f\u00fcrs grosse Publikum und eine im Text versteckte esoterische f\u00fcr die Eingeweihten, denen gereicht werden durfte, was der Masse nicht bekam.<\/p>\n<p>Das ist Stoff f\u00fcr die Verschw\u00f6rungstheoretiker. Sie lesen Straussens B\u00fccher kaum, befassen sich aber umso heftiger mit dem Dahintersteckenden. Sprach Perle in Berlin nicht genauso fanatisch und kompromisslos, wie Strauss dachte? Sprach Strauss nicht immer vom \u00abevil\u00bb wie nun auch Bush? Geht all das nicht auf Straussens enorm erfolgreiche Schule und sein elit\u00e4res Bildungskonzept zur\u00fcck? Fest steht: Strauss war ein verf\u00fchrerisches Sprachrohr f\u00fcrs neokonservative Unbehagen in der Moderne. Und er war gegen diplomatisches Wischiwaschi und daf\u00fcr, Wertfragen intellektuell entschieden auszufechten. Alles andere \u00fcberlassen wir jetzt wieder den Kollegen von der Surf-Fraktion.&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.nzz.ch\/article8YCN5-ld.263142<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich wei\u00df&#8230;<br \/>\nABERRR&#8230;<br \/>\nWisst ihr WIE ES MIR GEHT?<\/p>\n<p>Ich kann NICHT&#8230;<br \/>\nJEDE&#8230;<br \/>\nBewegung tut furchtbar weh, mir ist PERMANET kotz\u00fcbel&#8230;<br \/>\nSEHR&#8230;<br \/>\nSchwere Medikamente, es grenzt an ein Wunder das es erst jetzt passiert!<\/p>\n<p>Ich bin WEDER Drogens\u00fcchtig NOCH ein Verschw\u00f6rungstheoretiker&#8230;<br \/>\nBIN ICH NICHT&#8230;<br \/>\nVersprochen so wie ich gewisse Dinge in der Wirtschaft vorhergesagt habe&#8230;<br \/>\nVerspreche ich euch&#8230;<br \/>\nIhr&#8230;<br \/>\nWERDET VERSTEHEN um was es eigentlich geht!  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cogito, ergo sum Nein&#8230; Zumindest nach einer KURZEN Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfung meiner Seitz&#8230; Na ja&#8230; H\u00e4lt im ersten Augenblick gewissen FRAGEN nicht Stand ABER es sollte nicht au\u00dfer acht gelassen werden, ich hatte es angek\u00fcndigt; WIRD ein langer ARTIKEL&#8230; Mit dem Ziel das es meine Leser verstehen! 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Nur eine &#8222;Theorie&#8220; oder steckt doch etwas dahinter?\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94523"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=94523"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94536,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94523\/revisions\/94536"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=94523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=94523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=94523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}