{"id":65653,"date":"2021-03-08T12:01:28","date_gmt":"2021-03-08T12:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=65653"},"modified":"2021-03-08T12:04:56","modified_gmt":"2021-03-08T12:04:56","slug":"65653","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=65653","title":{"rendered":"!!! !!! !!!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Kalter Krieg im Nahen Osten: Der iranisch-saudische Konflikt dominiert die Region<br \/>\n1\/2021<\/p>\n<p>arbeitspapier_sicherheitspolitik_2021_1.pdf<br \/>\nAutor:<br \/>\nGuido Steinberg<\/p>\n<p>Seit dem Arabischen Fr\u00fchling 2011 hat sich der jahrzehntealte Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien zu einem regelrechten Kalten Krieg im Nahen Osten ausgeweitet. Dass einige Golfstaaten und Israel j\u00fcngst Friedensabkommen schlossen, ist ein Indiz, dass die regionalen Gegner Irans ein B\u00fcndnis schmieden. In Europa hat derweil die Wahl Joe Bidens zum US-Pr\u00e4sident gro\u00dfe au\u00dfenpolitische Hoffnungen auch mit Blick auf die Nahostregion geweckt. Doch eine R\u00fcckkehr zum Atomabkommen mit Iran in seiner fr\u00fcheren Form ist unwahrscheinlich. Vielmehr hat der Konflikt das Potential, sich weiter zu versch\u00e4rfen. Deutschland sollte deshalb seine Interessenlage in der Region kritisch \u00fcberpr\u00fcfen und sich auf Krisenszenarien vorbereiten.<br \/>\nIn Deutschland und Europa hat der Wahlsieg von Joe Biden gro\u00dfe au\u00dfenpolitische Hoffnungen geweckt. Nicht zuletzt erwarten viele Politiker und Kommentatoren, dass der neue US-Pr\u00e4sident den R\u00fcckzug seines Landes aus dem 2015 geschlossenen Atomabkommen mit Iran r\u00fcckg\u00e4ngig macht. Dies d\u00fcrfte sich jedoch schwieriger gestalten als erwartet, denn der Konflikt zwischen Iran und seinen Gegnern hat sich in den letzten f\u00fcnf Jahren versch\u00e4rft. Nicht nur, dass US-Pr\u00e4sident Trump Iran mit alten und neuen Sanktionen \u00fcberzog, wiederholt mit Krieg drohte, die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation einstufte und deren General Qassem Soleimani kurzerhand t\u00f6ten lie\u00df.<\/p>\n<p>Als noch wichtiger d\u00fcrfte sich erweisen, dass die Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen regionalen Widersachern Saudi-Arabien und Israel in den Mittelpunkt ger\u00fcckt ist. Seit dem Arabischen Fr\u00fchling 2011 hat sich der jahrzehntealte Konflikt zu einem regelrechten Kalten Krieg im Nahen Osten ausgeweitet, der seinen bisherigen H\u00f6hepunkt in dem iranischen Angriff auf die saudischen \u00d6lanlagen am 14. September 2019 fand. Ursache ist die iranische Expansionspolitik in der Region, die in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu verst\u00e4rkten R\u00fcstungsanstrengungen f\u00fchrte und Israel veranlasst, iranische Ziele und iranisch kontrollierte Milizen in Syrien und im Irak zu bek\u00e4mpfen. Dass einige Golfstaaten und Israel zuletzt sogar Friedensabkommen schlossen, ist ein Indiz, dass die regionalen Gegner Irans ein B\u00fcndnis schmieden. Selbst wenn es unter Pr\u00e4sident Biden wieder zu Verhandlungen zwischen den USA und Iran kommen sollte, ist eine R\u00fcckkehr zum Atomabkommen in seiner fr\u00fcheren Form unwahrscheinlich. Vielmehr hat der Konflikt das Potential, sich weiter zu versch\u00e4rfen. Deutschland sollte deshalb seine Interessenlage in der Region kritisch \u00fcberpr\u00fcfen und sich auf Krisenszenarien vorbereiten.<\/p>\n<p>Iranische Expansion: Atomprogramm, Raketen und Milizen<\/p>\n<p>Ursache der Versch\u00e4rfung des Konflikts ist in erster Linie die iranische Expansion im Nahen Osten. Zwar ist die Politik Irans nicht mehr so stark ideologisch gepr\u00e4gt wie in den ersten Jahren nach 1979, als sich Ayatollah Khomeini und seine Gefolgsleute den \u201eExport der Islamischen Revolution\u201c auf die Fahnen schrieben und von einer \u00dcbernahme der Macht durch schiitische Islamisten im Irak und den Golfstaaten tr\u00e4umten. Vielmehr verbinden sich weltanschauliche Motive heute mit einer geradezu klassischen Hegemonialpolitik, die darauf abzielt, eine iranische Vormachtstellung am Persischen Golf und im Nahen Osten durchzusetzen. Zu diesem Zweck setzt Iran auf eine Revision der regionalen Ordnung, die seit den 1990er Jahren vor allem von der starken Pr\u00e4senz der USA bestimmt wird. Die F\u00fchrung in Teheran will einen R\u00fcckzug der Amerikaner, der deren Verb\u00fcndete in der Region so stark schw\u00e4chen w\u00fcrde, dass Iran eine Vormachtstellung einnehmen k\u00f6nnte. Dabei gilt die besondere Abneigung der Revisionisten in Teheran dem K\u00f6nigreich Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Um sich in der Auseinandersetzung mit den USA und seinen regionalen Gegnern behaupten zu k\u00f6nnen, setzte Iran in den letzten zwei Jahrzehnten auf ein milit\u00e4risches Atomprogramm, die teils damit zusammenh\u00e4ngende Raketenr\u00fcstung und die Unterst\u00fctzung proiranischer militanter Gruppierungen. Letztere organisierten sich in einer Art schiitischer Internationale, einem von den iranischen Revolutionsgarden angef\u00fchrten B\u00fcndnis, dem unter anderem die libanesische Hisbollah, schiitische Milizen im Irak, die (allerdings nicht-schiitische) pal\u00e4stinensische Hamas und die jemenitischen Huthi-Rebellen angeh\u00f6ren. Diese Allianz nutzte die auf den Arabischen Fr\u00fchling folgenden Wirren und B\u00fcrgerkriege, um ihre Positionen im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen so weit auszubauen, dass zumindest die milit\u00e4rische Pr\u00e4senz Irans in den vier L\u00e4ndern auf Jahre gesichert scheint.<\/p>\n<p>F\u00fcr Irans Hauptgegner Saudi-Arabien drohte in den letzten Jahren die gr\u00f6\u00dfte Gefahr aus dem Jemen, von wo die Huthis das K\u00f6nigreich mit von Iran gelieferten ballistischen Raketen, Marschflugk\u00f6rpern und Drohnen beschie\u00dfen \u2013 eine unbeabsichtigte Folge des Kriegs, den Saudi-Arabien seit M\u00e4rz 2015 gegen die jemenitischen Rebellen f\u00fchrt. Doch als die USA die Sanktionen gegen Iran im Fr\u00fchjahr 2019 dramatisch versch\u00e4rften, griffen Teherans Revolutionsgarden die Golfstaaten direkt an. Auf Sabotageakte an \u00d6ltankern rund um die Stra\u00dfe von Hormuz folgten direkte Angriffe auf die saudi-arabische \u00d6linfrastruktur. Die wichtigste Attacke erfolgte am 14. September 2019, als Iran mit Drohnen und Marschflugk\u00f6rpern die \u00d6lanlagen von Abqaiq und Khurais und damit das Herz der saudi-arabischen \u00d6lindustrie angriff. Damit demonstrierte Iran nachdr\u00fccklich, dass er jederzeit in der Lage ist, die wirtschaftliche Lebensader des K\u00f6nigreichs zu kappen. Zwar bekannten sich die Huthis zu dem \u00dcberfall, doch wurde schnell deutlich, dass die Flugk\u00f6rper in Iran gestartet worden waren.<\/p>\n<p>Der zentrale Konflikt im Nahen Osten<\/p>\n<p>Die iranische Hegemonialpolitik des letzten Jahrzehnts stellt die j\u00fcngste Phase eines seit 1979 schwelenden Konflikts dar, in der die Islamische Republik als schiitisch-islamistische und revolution\u00e4r-antiimperialistische Macht mit dem sunnitisch-islamischen und konservativ-prowestlichen Saudi-Arabien konkurriert. W\u00e4hrend Teheran auf eine Revision der regionalen Machtverh\u00e4ltnisse abzielt, setzt Riad auf die Bewahrung des Status quo, denn unter dem Schutz der USA ist das K\u00f6nigreich in den letzten Jahrzehnten nicht nur zu einer \u00d6lgro\u00dfmacht, sondern auch zu der F\u00fchrungsmacht der arabischen Welt geworden. Deshalb handelt es sich bei dem Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien heute um die zentrale machtpolitische Auseinandersetzung des Nahen Ostens \u2013 ein Systemkonflikt, der deshalb auch besonders erbittert gef\u00fchrt wird und langlebig ist.<\/p>\n<p>Iran d\u00fcrfte die etwas st\u00e4rkere Milit\u00e4rmacht sein, die \u00fcber die weitaus gr\u00f6\u00dferen Streitkr\u00e4fte verf\u00fcgt, im Konflikt mit den Nachbarn aber vor allem auf ballistische Raketen, Marschflugk\u00f6rper und Drohnen ebenso wie auf B\u00fcndnisse mit proiranischen Milizen und Terrorgruppen wie der libanesischen Hisbollah und den jemenitischen Huthis setzt. Saudi-Arabien hingegen kann nur stark fragmentierte und kampfschwache Streitkr\u00e4fte ins Feld f\u00fchren, die kaum f\u00fcr einen Krieg gegen \u00e4u\u00dfere Feinde geeignet sind. Daran haben auch milliardenschwere R\u00fcstungsk\u00e4ufe bisher nichts ge\u00e4ndert. Die wichtigste Ausnahme ist die hochmoderne und zahlenm\u00e4\u00dfig starke Luftwaffe, der das iranische Milit\u00e4r im Konfliktfall wenig entgegenzusetzen h\u00e4tte. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die eng mit Saudi-Arabien verb\u00fcndeten Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), deren Milit\u00e4r zwar kleiner als das saudische, aber besser ausgebildet, professioneller und kampfst\u00e4rker ist.<\/p>\n<p>Nach einer Entspannungsphase in den 1990er Jahren gewann der iranisch-saudi-arabische Konflikt ab 2003 erneut an Sch\u00e4rfe. Der wichtigste Anlass war die amerikanische Invasion des Irak, die dazu f\u00fchrte, dass iranfreundliche Kr\u00e4fte 2005 die Macht im Zweistromland \u00fcbernahmen und Irans dortiger Einfluss rasch zunahm. Saudi-Arabien versuchte in den Folgejahren mit nur m\u00e4\u00dfigem Erfolg, die wachsende Macht Teherans in der arabischen Welt zu begrenzen. Doch als Iran seine Positionen infolge des Arabischen Fr\u00fchlings und der ab 2011 einsetzenden Unruhen, Aufst\u00e4nde und B\u00fcrgerkriege in Syrien, Irak und Jemen weiter ausbauen konnte, reagierte Riad mit gro\u00dfer Entschlossenheit und Aggressivit\u00e4t. Bis 2015 stand dabei der B\u00fcrgerkrieg in Syrien im Vordergrund, wo Saudi-Arabien meist gemeinsam mit den USA Aufst\u00e4ndische in ihrem Kampf gegen das mit Teheran verb\u00fcndete Regime von Pr\u00e4sident Bashar al-Assad unterst\u00fctzte. Ab 2015 wurde der Jemen wichtiger, wo die von Iran unterst\u00fctzten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa einnahmen und Saudi-Arabien gemeinsam mit den VAE intervenierte.<\/p>\n<p>Im Bewusstsein der eigenen milit\u00e4rischen Schw\u00e4che baute Saudi-Arabien im Kampf gegen Iran auf seine Verb\u00fcndeten. Diese Politik wurde ab 2017 auch von den USA bef\u00f6rdert; die Regierung Trump versuchte, die prowestlichen Regionalstaaten in einem antiiranischen B\u00fcndnis zu organisieren. Diese \u201eNahost-Sicherheitsallianz\u201c (Middle East Security Alliance \/ MESA) blieb zun\u00e4chst zwar im Anfangsstadium stecken, weil \u00c4gypten sich im April 2019 zur\u00fcckzog. Doch n\u00e4herten sich Saudi-Arabien und die VAE stattdessen Israel an. Aus Sicht der Golfstaaten sind verbesserte Beziehungen zu dem j\u00fcdischen Staat nicht nur deshalb besonders wichtig, weil er die st\u00e4rkste Milit\u00e4rmacht der Region ist. Israel f\u00fchrt au\u00dferdem seit 2017 einen nicht erkl\u00e4rten Krieg gegen die schiitische Internationale in Syrien und Irak, wo die israelische Luftwaffe insgesamt \u00fcber tausend Angriffe gegen iranische und verb\u00fcndete Ziele geflogen hat. Noch attraktiver ist Israel f\u00fcr die Golfstaaten, weil es mit Aktionen wie der gezielten T\u00f6tung von General Mohsen Fakhrizadeh \u2013 der als die Schl\u00fcsselfigur im iranischen Atomprogramm galt \u2013 im November 2020 zeigte, dass es bereit und in der Lage ist, alle seine Ressourcen zu mobilisieren, eine atomare Bewaffnung Irans zu verhindern. Dass die VAE und auch Bahrain Friedensabkommen mit Israel schlossen, war vor diesem Hintergrund eine Bekr\u00e4ftigung des B\u00fcndnisses gegen Iran. Saudi-Arabien fehlte zwar in der Liste der Vertragsparteien, doch machte das K\u00f6nigreich mehrfach deutlich, dass es die Ann\u00e4herung an den ehemaligen Erzfeind guthie\u00df.<\/p>\n<p>Der \u201eR\u00fcckzug\u201c der USA<\/p>\n<p>Die neue Einigkeit von Saudis und Israelis ist auch eine Reaktion auf die Politik der USA im Nahen Osten. Schon seit dem Ende der \u00c4ra Bush 2009 hatte sich in der amerikanischen Politik die Ansicht durchgesetzt, dass die Kriege im Irak und in Afghanistan die USA davon abgehalten haben, dem gro\u00dfen weltpolitischen Konkurrenten China die n\u00f6tige Aufmerksamkeit zu widmen. Pr\u00e4sident Obama hatte dieser Haltung mit seiner Forderung nach einer Umorientierung auf Asien (pivot to Asia) Ausdruck verliehen und zog 2011 s\u00e4mtliche US-Truppen aus dem Irak ab. Das Atomabkommen mit Iran 2015 diente dann auch nicht zuletzt dem Ziel, das wichtigste weltpolitische Problem im Nahen Osten \u2013 die drohende nukleare Bewaffnung der Islamischen Republik \u2013 zu l\u00f6sen, um mehr Ressourcen anderswo einsetzen zu k\u00f6nnen. Wie distanziert der US-Pr\u00e4sident den Regierungen in Riad, Abu Dhabi und Tel Aviv\/Jerusalem gegen\u00fcberstand, zeigte sich vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit, als Obama sie aufforderte, den Nahen Osten mit Iran \u201ezu teilen und so etwas wie einen kalten Frieden zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Diesem Affront entsprechend war die saudi-arabische F\u00fchrung hoch erfreut, als mit Donald Trump 2017 ein erkl\u00e4rter Feind der Islamischen Republik das Pr\u00e4sidentenamt \u00fcbernahm. Die Begeisterung wuchs, als die erste Auslandsreise des neuen Pr\u00e4sidenten ihn nach Riad f\u00fchrte. Trump hatte schon im Wahlkampf eine aggressiv antiiranische Linie angek\u00fcndigt, die 2018 Gestalt annahm, als die USA sich einseitig aus dem Atomabkommen von 2015 verabschiedeten und alte Sanktionen erneut einf\u00fchrten und neue verh\u00e4ngten. Au\u00dfenminister Mike Pompeo pr\u00e4gte den Begriff des \u201emaximalen Drucks\u201c auf Iran, der vor allem die \u00d6lexporte traf, sodass die ohnehin durch Korruption und Misswirtschaft geschw\u00e4chte iranische \u00d6konomie schon 2019 kurz vor dem Zusammenbruch stand. Iran reagierte mit Angriffen auf die \u00d6lindustrien der Nachbarn, die in der Attacke auf die \u00d6lanlagen vom September 2019 gipfelten.<\/p>\n<p>Damals zeigte sich jedoch, dass die saudi-arabische F\u00fchrung das Kalk\u00fcl der Trump-Administration nicht verstanden hatte. Diese wollte keinen neuen Krieg im Nahen Osten, weil Trump \u2013 \u00e4hnlich wie vor ihm schon Obama \u2013 seinen W\u00e4hlern die R\u00fcckkehr des amerikanischen Milit\u00e4rs aus den \u201eendlosen Kriegen\u201c der Region versprochen hatte. Auf den iranischen Angriff reagierte der US-Pr\u00e4sident deshalb zwar mit scharfer Rhetorik, vermied aber einen offenen milit\u00e4rischen Gegenschlag; das US-Milit\u00e4r beschr\u00e4nkte sich auf einen Cyberangriff. Die Ereignisse zeigten in aller Deutlichkeit, dass Trump zwar die regionalen Verb\u00fcndeten in ihrem Konflikt mit Iran unterst\u00fctzte, indem er die Nahost-Sicherheitsallianz zu seinem Projekt machte und die Partner auch gerne mit Waffensystemen ausstattete. Doch war sein Ziel, Saudi-Arabien, die VAE und andere Staaten zu ert\u00fcchtigen, damit sie es auch ohne die Beteiligung amerikanischer Truppen mit Iran aufnehmen konnten. Der ausgebliebene Gegenschlag vom September 2019 zeigte den Verb\u00fcndeten, dass der Wille zum R\u00fcckzug aus der Region zu einer Konstante der amerikanischen Politik geworden war, auch wenn Obama und Trump scheinbar so unterschiedlich vorgingen. Es ist zu erwarten, dass der neue Pr\u00e4sident Joe Biden auf eine \u00e4hnliche Politik setzen wird.<\/p>\n<p>Atomprogramme beiderseits des Golfs<\/p>\n<p>Die Ereignisse der letzten zehn Jahre haben in Riad die Einsicht reifen lassen, dass die USA nicht mehr der Garant saudi-arabischer Sicherheit sind, der sie zuverl\u00e4ssig seit 1945 waren. Die vielleicht dramatischste Folge ist, dass Saudi-Arabien auch Interesse an einem Atomprogramm zeigt. Offizieller Darstellung zufolge handelt es sich um ein rein ziviles Projekt, doch l\u00e4sst das Beharren der Saudis auf einer eigenen Urananreicherung vermuten, dass sie sich die Option auf eine milit\u00e4rische Nutzung nicht von vornherein verbauen wollen. Da die USA sich bisher weigerten, unter diesen Voraussetzungen Technologie zu liefern, scheint Riad jetzt auf die Hilfe Chinas zu setzen. \u00dcber moderne chinesische Raketen, die gegebenenfalls auch Nuklearsprengk\u00f6pfe transportieren k\u00f6nnten, verf\u00fcgt Saudi-Arabien ohnehin.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund (und nach den Erfahrungen der vier Jahre Trump) d\u00fcrfte es noch schwieriger sein, die F\u00fchrung in Teheran davon zu \u00fcberzeugen, ihren Wunsch nach einer eigenen Bombe aufzugeben und in neuen Verhandlungen mit den USA substantielle Zugest\u00e4ndnisse zu machen. Es ist vor allem unwahrscheinlich, dass die Islamische Republik bereit ist, ihr Raketenprogramm und die Unterst\u00fctzung militanter Gruppen in der Region zur\u00fcckzufahren, denn es handelt sich um zwei Grundbestandteile der iranischen Milit\u00e4rstrategie. Die Einbeziehung der beiden Themen d\u00fcrfte aber nach den Erfahrungen mit den Angriffen auf die \u00d6lanlagen (die auch in Israel aufgrund ihrer Zielgenauigkeit Entsetzen hervorriefen) f\u00fcr die regionalen Verb\u00fcndeten der USA noch viel wichtiger sein als 2015 \u2013 als sie h\u00f6chst verstimmt waren, dass die Obama-Administration ohne ihre Mitwirkung ein Abkommen schloss, das auch ihre Sicherheit betraf.<\/p>\n<p>Sollte die Regierung Biden in Verhandlungen \u00e4hnlich vorgehen und \u2013 entgegen den bisherigen Ank\u00fcndigungen \u2013 die iranischen Raketen und schiitischen Milizen doch erneut ausklammern, wird der Widerstand Saudi-Arabiens, der VAE und Israels deutlich heftiger sein als noch 2015. Vor allem werden sie ihre Verb\u00fcndeten im Kongress mobilisieren, die in beiden politischen Lagern zu finden sind. Dar\u00fcber hinaus hat die T\u00f6tung von Fakhrizadeh gezeigt, dass zumindest Israel weitere Optionen hat, will es eine Entspannung zwischen Washington und Teheran st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Deutsche Politik, deutsche Interessen<\/p>\n<p>Die deutsche Politik sollte nicht glauben, dass es ein einfaches Zur\u00fcck zum urspr\u00fcnglichen Iran-Atomabkommen von 2015 geben k\u00f6nnte. Wenn aber Verhandlungen aufgenommen werden, sollte Deutschland sich hinter die Regierung Biden stellen, die bereits angek\u00fcndigt hat, auch das iranische Raketenprogramm und die regionale Expansion Irans zum Gegenstand von Gespr\u00e4chen machen zu wollen. Um ein umfassenderes Abkommen \u2013 das auch im deutschen Interesse ist \u2013 m\u00f6glich zu machen, darf es keine Uneinigkeit zwischen Europa und den USA geben, die Teheran ausnutzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollte sich die Bundesregierung auf die wahrscheinlicheren Szenarien vorbereiten, in denen es zu keiner oder keiner baldigen Verhandlungsl\u00f6sung kommt und in denen Iran sein Nuklearprogramm und die Raketenr\u00fcstung weiter vorantreibt und die Unterst\u00fctzung von Milizen und Terrorgruppen fortf\u00fchrt. F\u00fcr diesen Fall gilt es, gemeinsam mit den USA Saudi-Arabien davon abzuhalten, ein milit\u00e4risches Atomprogramm zu beginnen. Au\u00dferdem m\u00fcssten die Verb\u00fcndeten eine Strategie der langfristigen Eind\u00e4mmung Irans entwickeln, die nur funktionieren kann, wenn die USA, ihre europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten und die prowestlichen Regionalstaaten eng zusammenarbeiten. Dazu geh\u00f6ren auch die in Deutschland oft kritisierten Waffenlieferungen an problematische Staaten wie Saudi-Arabien oder die VAE.<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung auf die n\u00e4chsten Monate und Jahre ist es zus\u00e4tzlich angezeigt, die bisherige deutsche Interessendefinition zu \u00fcberdenken. Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahren h\u00e4ufig argumentiert, dass es in erster Linie gelte, eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu verhindern. Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition k\u00f6nnte es im Extremfall sein, auch einen Milit\u00e4rschlag der USA und\/oder Israels gegen Iran zu unterst\u00fctzen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Eine deutlichere Formulierung dieses Interesses k\u00f6nnte auch dazu dienen, den Druck auf Iran zu erh\u00f6hen, der in den letzten Jahren allzu oft versucht hat, Uneinigkeit zwischen Europa und die USA zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Dr. Guido Steinberg arbeitet f\u00fcr die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Gerade ist sein neues Buch erschienen: Krieg am Golf. Wie der Machtkampf zwischen Iran und Saudi-Arabien die Weltsicherheit bedroht (Droemer 2020). Der Autor gibt seine pers\u00f6nliche Meinung wieder.&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.baks.bund.de\/de\/arbeitspapiere\/2021\/kalter-krieg-im-nahen-osten-der-iranisch-saudische-konflikt-dominiert-die-region<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/turkish.aawsat.com\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">G\u00d6Z\u00dcN\u00dcZ<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/english.aawsat.com\/home\/article\/2736186\/russia-predicts-israeli-iranian-clash-syria-2021\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">OKU<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Kalter Krieg im Nahen Osten: Der iranisch-saudische Konflikt dominiert die Region 1\/2021 arbeitspapier_sicherheitspolitik_2021_1.pdf Autor: Guido Steinberg Seit dem Arabischen Fr\u00fchling 2011 hat sich der jahrzehntealte Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien zu einem regelrechten Kalten Krieg im Nahen Osten ausgeweitet. 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