{"id":215514,"date":"2025-10-26T06:20:53","date_gmt":"2025-10-26T06:20:53","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=215514"},"modified":"2025-10-26T06:20:53","modified_gmt":"2025-10-26T06:20:53","slug":"techno-in-deutschland-wer-hats-erfunden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=215514","title":{"rendered":"Techno in Deutschland Wer hat\u2019s erfunden?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Frankfurt am Main und Berlin streiten sich dar\u00fcber, wo der Techno erfunden wurde. Dabei hat das Genre, wie jede Kunstform, nicht nur einen Ursprung \u2013 sondern viele Quellen.<\/p>\n<p>Berlin oder Frankfurt am Main? Die Frage nach der Geburtsst\u00e4tte des Technos kommt in Deutschland immer wieder auf, wenn es um Traditionen und das Wesen des Musikstils geht. Dabei w\u00e4re in diesem Fall eine Reminiszenz an den Ausspruch der deutschen Fu\u00dfball-Legende Andy M\u00f6ller \u2013 \u201eMailand oder Madrid, Hauptsache Italien\u201c \u2013 viel treffender: \u201eFrankfurt oder Berlin? Hauptsache Detroit!\u201c, m\u00fcsste es dann hei\u00dfen. Wie kaum eine andere Stadt steht die einstige Autometropole in den Vereinigten Staaten f\u00fcr einen Sound Of The City. F\u00fcr einen? Nein, gleich f\u00fcr mehrere.<\/p>\n<p>In den 1960er-Jahren entsteht hier \u201eThe Sound Of Young America\u201c, so der Slogan des Plattenlabels Motown. Der ehemalige Flie\u00dfbandarbeiter Berry Gordy organisiert seine Firma nach dem Vorbild der Motorenfabriken. Mit Stars wie Diana Ross and The Supremes und Marvin Gaye wird Motown zur Erfolgsgeschichte des sogenannten Black Capitalism.<\/p>\n<p>Aufstieg einer neuen Musik<br \/>\nDer Niedergang der Autoindustrie in Detroit geht in den 1980er-Jahren einher mit dem Aufstieg einer neuen Musik. \u201eAn Ford und General Motors interessieren mich nur die Roboter\u201c, behauptet Techno-Pionier Juan Atkins. K\u00fcnstler wie Atkins, Underground Resistance oder Derrick May pr\u00e4gen bald den neuen Sound of the City von Detroit. Detroit-Techno ist zun\u00e4chst einmal eine afro-amerikanische Musik, ein Stil, der sich selbst in einem Kontinuum sieht \u2013 von Funk, Soul und Rhythm and Blues zur\u00fcck zum Blues des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Mit Aussagen zu den sogenannten Wurzeln ihrer Musik und der Hautfarbe ihrer Protagonisten hielten sich die \u00fcberwiegend m\u00e4nnlichen, fast ausschlie\u00dflich afroamerikanischen Protagonisten des fr\u00fchen Detroit-Techno allerdings zur\u00fcck, aus guten Gr\u00fcnden. Schlie\u00dflich hatten sie \u2013 und auch Hip-Hop-Pioniere wie der New Yorker DJ Afrika Bambaataa \u2013  ihre Lektion wiederum von der D\u00fcsseldorfer Band Kraftwerk gelernt. Kraftwerk setzte dem Personen- und Starkult das Konzept der Entpersonalisierungentgegen. Ohne das Kraftwerk-Album Trans Europa Express h\u00e4tte es den Titel Planet Rock von Afrika Bambaataa and the Soulsonic Force wohl nie gegeben. Ohne die Single Die Roboter h\u00e4tte sich das Electro-Duo Cybotron, bestehend aus Juan Atkins und Richard Davis aka 3070, vielleicht nie gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Zitiert, kopiert, adaptiert<br \/>\nAber auch Kraftwerk l\u00e4sst keine Gelegenheit aus, die Bedeutung afroamerikanischer K\u00fcnstler wie George Clinton oder James Brown f\u00fcr ihre Musik herauszustellen. Und: ohne Fun Fun Fun von den Beach Boys kein \u201eFahr\u2019n Fahr\u2019n Fahr\u2019n auf der Autobahn\u201c.<\/p>\n<p>Wie jede Kunst hat auch die Popmusik nicht den einen Ursprung, die eine Quelle. Wie jede Kunst ist auch die Popmusik ein st\u00e4ndiger Prozess wechselseitiger Einfl\u00fcsse: Es wird zitiert, kopiert, adaptiert, transformiert, gemischt, geliehen, gestohlen. Mit Copy and Paste, Filesharing und (Re-)Mix-Technologien sowie der Digitalisierung wird der Versuch, einen Musikstil an einem bestimmten Geburtsort zu fixieren \u2013 und ihn buchst\u00e4blich zu \u201everorten\u201c \u2013 geradezu absurd. So wirkt die Behauptung, Techno sei in Berlin oder in Frankfurt \u201egeboren\u201c, wie ein Versuch, die Zeit zur\u00fcckzudrehen und ein Urheberrecht auf eine fluide, hochdynamische Mischung aus Musik, Kultur und Sozialem geltend zu machen.<\/p>\n<p>Techno als Standortmarketing<br \/>\nDass Techno seine Glanzzeit hinter sich hat, macht den aktuellen Zwist um das Copyright zwischen Berlin und Frankfurt nicht besser. Auch nicht, dass einige Akteure nach der Deutungshoheit \u00fcber die Technogeschichte streben, um die eigene Marktposition zu verbessern. So konstruieren die Initiatoren des in Frankfurt geplanten Museum Of Modern Electronic Music (MOMEM) mit Schwerpunkt auf der Frankfurter Club- und DJ-Szene eine vermeintlich historische Kontinuit\u00e4t: von der guten alten Diskothek Dorian Gray am Flughafen in den sp\u00e4ten 1970er-Jahren \u00fcber das Omen, nur einen Steinwurf vom MOMEM-Standort entfernt, Anfang der 1990er-Jahre bis in die Gegenwart zum Club Robert Johnson im nahen Offenbach.<\/p>\n<p>Dabei verbindet diese drei Orte recht wenig. Das Robert Johnson ist bis heute das kreative Zentrum einer lebendigen Szene aus DJs und Produzenten, immer am Puls der Zeit. Das von Sven V\u00e4th begr\u00fcndete Omen war zu Hochzeiten  der Technomusik die gr\u00f6\u00dfte Diskothek der Stadt, beliebt bei Bankern wie Ravern \u2013 was manchmal dasselbe war. In der Gro\u00dfraumdiskothek Dorian Gray feierte die sogenannte Schickeria bei Miss-Wahlen und Formel-1-Partys. Was Techno anging, waren die Macher eher weniger auf dem neuesten Stand.<\/p>\n<p>Auch in Berlin ist die Club-Szene l\u00e4ngst ein wichtiger Faktor in Sachen Stadtmarketing und Tourismus \u2013 schlie\u00dflich war hier bis 2016 mit Tim Renner ein ehemaliger Label-Manager Berliner Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Kultur. Die Frage, ob Techno nun in Frankfurt oder Berlin entstand, dreht sich also vor allem ums Geld \u2013 und ist letztlich \u00fcberfl\u00fcssig.&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.<strong>goethe.de<\/strong>\/ins\/ca\/de\/kul\/loe\/mag\/21081640.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Frankfurt am Main und Berlin streiten sich dar\u00fcber, wo der Techno erfunden wurde. Dabei hat das Genre, wie jede Kunstform, nicht nur einen Ursprung \u2013 sondern viele Quellen. Berlin oder Frankfurt am Main? 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