{"id":141190,"date":"2023-07-23T11:18:07","date_gmt":"2023-07-23T11:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=141190"},"modified":"2023-07-23T11:29:07","modified_gmt":"2023-07-23T11:29:07","slug":"ich-werde-und-wie-ich-werde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=141190","title":{"rendered":"Ich WERDE und wie ICH werde"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.gurbuz.net\/Yeni\/230723-3.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Frau UND Mann in der Moschee,<br \/>\nGEMEINSAM(!)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/image.stern.de\/32513956\/t\/sN\/v1\/w1440\/r1.7778\/-\/moschee-bild-1.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>&#8222;BERLIN<br \/>\n&#8222;Love is Halal&#8220;: Erste Moschee in Deutschland hisst Regenbogenflagge und unterst\u00fctzt LGBT-Community&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.stern.de\/gesellschaft\/berlin&#8211;erste-moschee-in-deutschland-hisst-regenbogenflagge-32513894.html<\/p>\n<p>Seyran Ates,<br \/>\nIch WERDE &#8222;Frau&#8220; aber nicht jetzt, du UND deinesgleichen&#8230;<br \/>\nSIND&#8230;<br \/>\nIm Moment mein kleinstes Problem.<\/p>\n<p>NIEMAND kann von mir behaupten ich sei Frauenfeindlich&#8230;<br \/>\nODER&#8230;<br \/>\nHege Hass gegen diese oder jene, IST MIR EGAL&#8230;<br \/>\nAberrrrrrrrrrrrr&#8230;<br \/>\nWenn IHR Kind (&#8230;) DANN&#8230;<br \/>\nWERDET IHR!<\/p>\n<p>RESPEKT&#8230;<br \/>\nVor Frau WENN FRAU&#8230;<br \/>\nFrau IST!<\/p>\n<p>Sie WERDEN,<br \/>\nVersprochen! <\/p>\n<p>&#8222;<strong>Religion und Ideologie im Vorderen Orient<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIslam \u00fcbernimmt Funktionen, die ein Staat \u00fcbernehmen sollte\u201c<br \/>\nDer Islam ist nach Ansicht von Rainer Hermann mitverantwortlich f\u00fcr die Krisen im Vorderen Orient. \u201eWenn Staaten scheitern, wird die Religion wichtiger\u201c, sagte der \u201eFAZ\u201c-Journalist und Buchautor im Dlf. Ein politischer Islam habe den b\u00fcrgerlichen, gem\u00e4\u00dfigten Islam verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Rainer Hermann im Gespr\u00e4ch mit Monika Dittrich | 09.03.2018<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/assets.deutschlandfunk.de\/FILE_0d6db838769a2fc59c2a3e8024bce081\/1920x1080.jpg?t=1597491014599\" alt=\"\" \/><br \/>\nB\u00fcrgerkrieg in Syrien: Wo Staaten scheitern, gedeiht der radikale Islam. (Samer Bouidani \/ dpa)<\/p>\n<p>Monika Dittrich: Rainer Hermann ist promovierter Islamwissenschaftler und Redakteur bei der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c. Jahrelang hat er als Korrespondent \u00fcber die arabische Welt berichtet, er ist ein ausgewiesener Kenner der gesamten Region und ihrer Konflikte.<br \/>\nAm 10. M\u00e4rz erscheint sein neues Buch, es hei\u00dft \u201eArabisches Beben\u201c. Hermann besch\u00e4ftigt sich darin mit den Ursachen f\u00fcr das Scheitern vieler arabischer Staaten, mit dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien, der Rivalit\u00e4t zwischen Iran und Saudi-Arabien, der Spaltung des Islams und dem Erstarken des radikalen Islamismus. \u201eDie wahren Gr\u00fcnde der Krise im Nahen Osten\u201c hei\u00dft das Buch im Untertitel, und ich habe Rainer Hermann gefragt, ob die Religion auch einer dieser Gr\u00fcnde ist.<br \/>\nRainer Hermann: Zun\u00e4chst sind die Gr\u00fcnde gesellschaftliche Gr\u00fcnde, Staatsversagen und das Versagen von Eliten. Wenn Staaten versagen, nimmt die Bedeutung der Religion zu, weil die Staaten keinen Halt, keine Sicherheit mehr bieten und die Menschen nach einer Alternative suchen. Wer gibt ihnen Halt, wo finden sie Sicherheit, wo finden sie Solidarit\u00e4t? Insofern hat die gro\u00dfe Krise der arabischen Welt, die wir heute erleben, zu einer neuen Bedeutung des Islams gef\u00fchrt.<br \/>\nWie der Islam zur Widerstandsbewegung wurde<br \/>\nDittrich: Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass das Ende der Kolonialherrschaft den L\u00e4ndern keine Befreiung gebracht hat, sondern Milit\u00e4rdiktaturen, die wiederum scheiterten. Und die Folge davon war der politische Islam. Was ist das Problem mit diesem politischen Islam?<br \/>\nHermann: Es hat eine Reihe von externen und internen Faktoren gegeben, die diese Fehlentwicklungen angesto\u00dfen haben, die sich heute in diesen Beben und vielen Nachbeben entladen. Und Sie haben das angesprochen: Die Europ\u00e4er und Amerikaner haben in diese L\u00e4nder eingegriffen, haben Grenzen gezogen, Verfassungen geschrieben, K\u00f6nige eingesetzt. Und es waren alles Staaten ohne Nationen, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zerfallen sollten.<br \/>\nDer Islam ist in dieser Zeit, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, eine Widerstandsbewegung geworden. Der Islam hatte bis zum 19. Jahrhundert keine Waffe in der Hand und war auch noch politisiert. Jetzt war ein Gegner da und es wurde eine Ideologie gebraucht, um gegen diesen Gegner vorzugehen und so wurden die Muslimbr\u00fcder 1928 als Widerstandsbewegung gegen die britische Kolonialmacht in \u00c4gypten gegr\u00fcndet. Sp\u00e4ter haben wir auch erlebt, wie in Algerien der Islam als bewaffnete Widerstandsbewegung gegen die franz\u00f6sische Kolonialmacht begr\u00fcndet wurde.<br \/>\nDas hei\u00dft, der Islam hatte eine Transformation vollzogen im 20. Jahrhundert, von einer Religion, die man unaufgeregt gelebt hat. Also man sprach nicht \u00fcber den Glauben, sondern man lebte ihn, und zwar unbeschwert. Und das ist heute anders, das hat sich im 20. Jahrhundert ver\u00e4ndert. Heute spricht man \u00fcber den Islam, ohne dass man ihn lebt, zumindest nicht in der Form, in der die Muslime \u00fcber viele Jahrhunderte ihren Glauben unbeschwert gelebt haben.<br \/>\nReligionsgelehrte wurden zum Werkzeug der Machthaber<br \/>\nDittrich: Sie haben das Stichwort Ideologie genannt. Haben wir es \u2013 wenn wir \u00fcber den politischen Islam sprechen \u2013 also eher mit einer Ideologie zu tun und gar nicht so sehr mit einer Religion?<br \/>\nHermann: Es ist nat\u00fcrlich beides. Die Grundlage ist die Religion, sind die Regeln der Religion, sind die heiligen Schriften des Islams. Und das soll nun umgesetzt werden in Staat und Gesellschaft. Die Gesellschaft soll islamisiert werden und damit auch der Staat den Regeln des Islams folgen.<br \/>\nDie arabisch-islamische Welt kannte lange einen urbanen, b\u00fcrgerlichen Islam, wie er in Kairo, Damaskus oder Bagdad gelebt wurde: relativ tolerant, nicht aggressiv und daf\u00fcr hat sich der Begriff der Ambiguit\u00e4tstoleranz eingeb\u00fcrgert. Das hei\u00dft, die Muslime haben \u00fcber lange Zeit unterschiedliche Auslegungen ihrer heiligen Schriften ausgehalten. Sie hielten sie sogar f\u00fcr von Allah gewollt, denn er wolle damit einen Wettstreit ausl\u00f6sen.<br \/>\nWir hatten nicht die eine Wahrheit, sondern wir hatten viele miteinander konkurrierende theologische Auslegungen und das hat sich ganz wesentlich im 20. Jahrhundert ge\u00e4ndert. Und das war dann auch einer der internen Brandbeschleuniger, die zu diesen Fehlentwicklungen gef\u00fchrt haben.<br \/>\nDenn im 20. Jahrhundert haben wir zwei wesentliche Faktoren, die zur Aufl\u00f6sung dieses urbanen, b\u00fcrgerlichen Islams gef\u00fchrt haben: Zum einen haben diesen b\u00fcrgerlichen Islam ja gro\u00dfe staatliche Institutionen verk\u00f6rpert, wie die Azhar-Universit\u00e4t in Kairo, diese gro\u00dfe autoritative Institution, die die Schriften ausgelegt hat. Oder die vielen Gro\u00dfmuftis, ob nun in Jerusalem, Damaskus oder sonst wo. Und diese Institutionen wurden zunehmend diskreditiert, weil sie in den Dienst von Diktaturen gestellt wurden. Sie hatten diese Diktaturen zu rechtfertigen, zu legitimieren.<\/p>\n<p>Wenn der Machthaber gesagt hat, sage etwas, um Frieden zu suggerieren, dann haben sie ein entsprechendes Fatwa herausgegeben, genauso bei Gewalt. Das sehen wir in diesen Tagen beim Gro\u00dfmufti von Damaskus, der ja auch sehr unterschiedliche Fatwas von sich gibt.<br \/>\nDittrich: Das hei\u00dft, die Religionsgelehrten haben an Einfluss verloren, weil sie das Werkzeug der politischen Herrscher, der politischen Elite waren \u2013 und die Leute wollten sich dann von ihnen nichts mehr vorschreiben lassen. Habe ich das so richtig verstanden?<br \/>\nHermann: Absolut. Sie waren nicht mehr autonom und haben dadurch ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Die einfachen Menschen hatten vom Staat sowieso keinen Nutzen \u00fcber die vergangenen Jahrzehnte. Und wenn nun dieser Staat, der da versagt, die Religionsgelehrten an sich bindet, dann haben die Religionsgelehrten genauso wenig Glaubw\u00fcrdigkeit wie die Herrscher. Und insofern franste dieser urbane Islam \u00fcber die Zeit aus.<br \/>\nSuche nach der gro\u00dfen Wahrheit<br \/>\nAber es kam eben noch eine zweite Sache hinzu: Die Auseinandersetzung \u00fcber den Kolonialismus hat den Islam ebenfalls ver\u00e4ndert. Der Westen kannte seit der Aufkl\u00e4rung nur noch eine gro\u00dfe Wahrheit, keine Ambiguit\u00e4t.<br \/>\nDas haben die Araber \u00fcbernommen und haben gesagt: Ambiguit\u00e4t ist nicht mehr von Gott gewollt, sondern ein Zeichen von Schw\u00e4che. Insofern war auch die Suche nach der einen gro\u00dfen Wahrheit und dem bewaffneten Widerstand gegen die Kolonialm\u00e4chte, was den Islam im 20. Jahrhundert ver\u00e4ndert hat und was ihn weggebracht hat von diesem klassischen b\u00fcrgerlichen Islam in den gro\u00dfen St\u00e4dten.<br \/>\nDittrich: Also ein Fehlen von Toleranz, die es urspr\u00fcnglich gab. Sie haben das Wort \u201eBrandbeschleuniger\u201c genannt: Das ist interessant, weil gestern (8.3.) der Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler in unserer Sendung das gleiche Wort benutzt hat, im Zusammenhang mit den Konfessionen. Und er sprach von den Konfessionen als \u201eZ\u00fcndlern\u201c. Auch in Ihrem Buch spielt der Konfessionalismus eine wichtige Rolle. Vielleicht k\u00f6nnen Sie uns das ein bisschen beschreiben: Welche Rolle spielen die Konfessionen, also Sunniten und Schiiten im Islam und inwiefern ist auch das ein Brandbeschleuniger f\u00fcr diese Konflikte?<br \/>\nHermann: Der Konfessionalismus hat zum einen einen Vorteil f\u00fcr alle Seiten, denn er entwickelt eine starke Bindekraft. Wer so zusammenh\u00e4lt, der gibt nicht so leicht auf, der k\u00e4mpft. Und wenn ein Staat dann scheitert, dann sch\u00fctzt diese Konfession.<br \/>\nDie Konfessionalisierung ist allerdings sehr gef\u00e4hrlich, denn sie grenzt ab, sie ist Gift f\u00fcr Gemeinwesen, sie sch\u00fcrt Hass. Und es ist schwierig, damit einen funktionierenden Staat zu gr\u00fcnden. Das sehen wir sehr sch\u00f6n in dem Schisma zwischen Sunniten und Schiiten, das auf das Jahr 680 zur\u00fcckgeht. Und das ist der Mittelpunkt der konfessionalistischen Rivalit\u00e4t zwischen Schiiten und Sunniten.<br \/>\nSpaltung des Islams<br \/>\nDieses Schisma dreht sich um die Frage, wer hat das Recht, die Gemeinde zu f\u00fchren. Die Antworten von Sunniten und Schiiten sind da kontr\u00e4r: Die Sunniten argumentieren realpolitisch, Allah habe denjenigen ausgesucht, der sich tats\u00e4chlich durchgesetzt hat. Denn der habe gezeigt, dass er die Gemeinde f\u00fchren kann.<br \/>\nDie Schiiten hingegen akzeptieren als F\u00fchrer der Gemeinde nur einen Nachkommen von Ali, dem Schwiegersohn von Mohammed, dem vierten Kalifen. Denn der trage das g\u00f6ttliche Licht in sich.<br \/>\nUnd die Schlacht in Kerbela im Jahr 680 im heutigen S\u00fcdirak hat die Entscheidung gebracht, der Sunnit Yazid hat Hussein, den Sohn des Ali besiegt und die Schiiten sagen, dass seither nur Usurpatoren \u00fcber die Welt geherrscht h\u00e4tten. Es gebe keine Gerechtigkeit mehr. Um Gerechtigkeit herzustellen, m\u00fcssten diese Usurpatoren gest\u00fcrzt werden.<br \/>\nUnd das f\u00fchrt zu unterschiedlichen politischen Ordnungsvorstellungen: Sunniten sind eher konservativ, verteidigen den Status quo, Schiiten waren in der ganzen Geschichte eher die Sozialrevolution\u00e4ren, die Kommunisten und seit 1979 haben sie die Chance, seit der iranischen Revolution, sich f\u00fcr Kerbela zu r\u00e4chen und durch den Revolutionsexport in die sunnitisch-arabische Welt einzudringen.<br \/>\nUnd das ist die gro\u00dfe Spaltung im Islam. Und sie befeuert den machtpolitischen Konflikt, den wir zwischen der arabischen Welt und dem schiitischen Iran haben.<br \/>\nDittrich: Wie k\u00f6nnte eine Vers\u00f6hnung zwischen Sunniten und Schiiten aussehen? Was m\u00fcsste daf\u00fcr passieren?<br \/>\nHermann: Eine Vers\u00f6hnung kann nur von Theologen eingeleitet werden. Denn diese unterschiedlichen politischen Ordnungsvorstellungen sind nicht aus der Welt zu r\u00e4umen, ohne dass es eine theologische Ann\u00e4herung gibt. Es gibt gro\u00dfe theologische Unterschiede: Beispielsweise akzeptieren die Schiiten nicht die ersten drei Kalifen, die ersten drei Nachfolger von Mohammed, sie akzeptieren erst den vierten. Sie akzeptieren damit nicht die vielen \u00dcberlieferungen der Worte und Taten von Mohammed, die \u00fcber diese Kalifen gegangen sind.<br \/>\nEin anderer Punkt ist, dass (der iranische Ajatollah, d. Red.) Chomeini 1979 das Herrschaftspostulat des bestqualifizierten Rechtsgelehrten, Velayat-e faqih, durchgesetzt hat und gesagt hat, das sei bi-amrillah, das sei im Auftrag Gottes. Erst wenn die schiitischen Theologen diese Dinge zur\u00fccknehmen, kommt es zu einer Ann\u00e4herung. Dann w\u00e4re der Grundstein gelegt daf\u00fcr, dass der politische Konflikt beigelegt werden kann.<br \/>\nDenn die sunnitischen Araber sehen heute das Eindringen Irans als eine existenzielle Herausforderung. Die arabische Welt war seit Saladin, seit dem 12. Jahrhundert, sunnitisch und jetzt seit 1979 dr\u00e4ngen schiitische Iraner ein. Und sie sehen das als eine existenzielle Gefahr f\u00fcr das Arabertum und den sunnitischen Islam.<br \/>\nAber um das beizulegen, Sie haben v\u00f6llig Recht, muss zun\u00e4chst ein Dialog gef\u00fchrt werden zwischen sunnitischen und schiitischen Theologen. Ich war mehrfach bei solchen Versuchen dabei: Die sind nie in Harmonie geendet.<br \/>\nSalafismus, Dschihadismus, Terrorismus<br \/>\nDittrich: Wir sprechen \u00fcber Re-Islamisierung, Sie beschreiben das auch in Ihrem Buch. Warum ist der Islam so verhei\u00dfungsvoll in Zeiten, wenn politische Institutionen scheitern?<br \/>\nHermann: Viele Staaten in der islamischen Welt sind gescheitert. Das ist die Ursache f\u00fcr dieses gewaltige Beben, das wir seit 2011 haben und es gibt nicht viele Institution, an die sich die Muslime wenden k\u00f6nnen, die St\u00e4mme, beispielsweise. Aber wenn jemand in der Stadt wohnt, ist die Bindung an seinen traditionellen Stamm geschw\u00e4cht. Das hei\u00dft, er wendet sich dann an seine Moschee in der Nachbarschaft, die ihn besch\u00fctzt, die Waffen kauft, die eine Miliz aufstellt, die ihm Essen gibt, die ihn mit Arbeit versorgt. Das hei\u00dft, der Islam \u00fcbernimmt Funktionen, die eigentlich ein Staat \u00fcbernehmen sollte.<br \/>\nAber da ist nat\u00fcrlich auch die Verhei\u00dfung auf ein besseres Leben. Wenn nur die Regeln angewendet w\u00fcrden, die in der Fr\u00fchzeit des Islams geherrscht haben, dann k\u00f6nne die arabisch-islamische Welt wieder zu alter Gr\u00f6\u00dfe zur\u00fcckfinden \u2013 das ist der Grundstein f\u00fcr den Salafismus: so zu leben, wie damals der Prophet gelebt hat und seine Prophetengenossen.<br \/>\nWenn dann aber noch als Instrument des Dschihadismus hinzukommt, entwickelt sich daraus eine Terrorideologie. Denn nur Gewalt, so glauben diese Ideologen, k\u00f6nne die bestehenden Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern. Und der Dschihad hat wie vieles im Islam im 20. Jahrhundert eine gro\u00dfe Transformation zur\u00fcckgelegt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Dschihad so gut wie kein Thema. Und in acht Stufen wird er zu dieser Gefahr, wie er heute ist. Das hei\u00dft, die ganze nicht-muslimische Welt als einen Feind wahrzunehmen, der bek\u00e4mpft werden muss.<br \/>\nUnd wenn das zusammenkommt: die neue dschihadistische Ideologie, verkn\u00fcpft mit dem Salafismus, haben wir eine Terrorideologie, die uns noch lange besch\u00e4ftigen wird.<br \/>\nDittrich: Entspricht eine autorit\u00e4re Herrschaft oder eine Diktatur den Ordnungsvorstellungen im Islam? Oder umgekehrt gefragt: Passen Islam und Demokratie zusammen?<br \/>\nHermann: Der Islam ist mit sehr vielen politischen Ordnungen vereinbar. Das zeigt bereits die Fr\u00fchzeit der Geschichte: Die ersten vier Kalifen, also die ersten vier rechtm\u00e4\u00dfigen Nachfolger von Mohammed, sind alle auf unterschiedliche Weise in ihr Amt gekommen: Einer wurde gew\u00e4hlt, ein anderer durch eine kleine Gruppe in sein Amt gehievt, ein anderer kam durch chaotische Zust\u00e4nde eher zuf\u00e4llig in dieses Amt. Und die islamischen Theologen verweisen bei der politischen Elastizit\u00e4t des Islams eben auf diese Fr\u00fchzeit des Islams. Der Islam macht vieles m\u00f6glich.<br \/>\nNun gibt es allerdings auch islamische Theologen, die sagen: Es muss vor allem eine Herrschaft hergestellt werden, in der der Islam praktiziert werden k\u00f6nne. Ein ber\u00fchmter Ausspruch zum Beispiel ist: Lieber tausend Jahre unter einem Diktator als eine Nacht im Chaos. Das hei\u00dft, Ziel der politischen Ordnungsvorstellungen ist immer zu gew\u00e4hrleisten, dass der Islam praktiziert werden kann.<br \/>\nUnd in dem Zusammenhang findet zurzeit hier in Europa unter europ\u00e4ischen Muslimen eine interessante Diskussion statt. Sie sagen: Es ist Zeit, die Dichotomie zwischen Dar al-islam, dem Herrschaftsgebiet des Islams, und Dar al-harb, dem Herrschaftsgebiet der Nicht-Muslime, gegen die Krieg gef\u00fchrt werden m\u00fcsse, \u2013 so die urspr\u00fcngliche Vorstellung \u2013 dieses aufzul\u00f6sen und zu sagen: es gibt daneben auch noch Dar al-shahada. Das hei\u00dft, eine Region, in der ein Muslim entsprechend seiner Vorstellungen und seiner Regeln leben m\u00fcsse und eine immer gr\u00f6\u00dfere Anzahl von islamischen Theologen in Europa argumentiert, das ist heute in Demokratien in Europa eher m\u00f6glich als in Diktatoren des Nahen Ostens und der arabischen Welt.<br \/>\nAutonomie f\u00fcr die Religionsgelehrten<br \/>\nDittrich: Sie pl\u00e4dieren in Ihrem Buch f\u00fcr eine St\u00e4rkung des gem\u00e4\u00dfigten, klassischen Islams. Was hei\u00dft das und wie k\u00f6nnte das vonstatten gehen?<br \/>\nHermann: Vieles muss sich \u00e4ndern, damit die arabische Welt Frieden mit sich selbst findet. Es muss eine neue politische Ordnung geben, aber es muss auch eine neue religi\u00f6se Ordnung geben. Und bei dieser neuen religi\u00f6sen Ordnung ist die St\u00e4rkung des gem\u00e4\u00dfigten Islams zentral.<br \/>\nDas hei\u00dft, der Islam soll in diese Rolle zur\u00fcckfinden, die er bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte, dass die gro\u00dfen Institutionen der Religiosit\u00e4t diesen Islam wieder abbilden. Dazu m\u00fcssen sie aber autonom sein, um die Glaubw\u00fcrdigkeit zur\u00fcckzugewinnen. Denn, ob sie nun Gelehrte in Kairo, Damaskus oder auch Riad nehmen: Sie sind mehr oder minder Sprachrohr und Organ der politischen Herrscher und haben deswegen wenig bis kaum Glaubw\u00fcrdigkeit.<br \/>\nEs geh\u00f6rt aber genauso dazu, dass eine s\u00e4kulare Orientierung Einzug h\u00e4lt. Denn nur eine s\u00e4kulare Ordnung kann in diesen L\u00e4ndern sicherstellen, dass jeder seine Identit\u00e4t entfalten kann. Das ist eine seiner gro\u00dfen Herausforderungen gerade in der Levante, wo wir viele ethnische, konfessionelle und sonstige Identit\u00e4ten haben, die in Staaten zusammengepfercht worden sind, mit nur einer Identit\u00e4t. Wenn wir eine s\u00e4kulare Ordnung haben, dann sind alle diese religi\u00f6sen Identit\u00e4ten m\u00f6glich. Ich sehe bei der S\u00e4kularisierung gewisse Bereitschaften und Tendenzen, eine s\u00e4kulare Ordnung zu akzeptieren.<br \/>\nIch sehe allerdings keinen Ansatz, dass es in irgendeinem Land eine Bereitschaft der Machthaber geben k\u00f6nnte, den gro\u00dfen religi\u00f6sen Institutionen mehr Autonomie zu geben. Das sehen wir selbst in der T\u00fcrkei, wo die Diyanet auch nicht selbstst\u00e4ndig ist, sondern ein Vollstrecker dessen, was aus dem Pr\u00e4sidentenpalast von Tayyip Erdo\u011fan kommt.&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.<strong>deutschlandfunk<\/strong>.de\/religion-und-ideologie-im-vorderen-orient-islam-uebernimmt-100.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau UND Mann in der Moschee, GEMEINSAM(!) &#8222;BERLIN &#8222;Love is Halal&#8220;: Erste Moschee in Deutschland hisst Regenbogenflagge und unterst\u00fctzt LGBT-Community&#8220; https:\/\/www.stern.de\/gesellschaft\/berlin&#8211;erste-moschee-in-deutschland-hisst-regenbogenflagge-32513894.html Seyran Ates, Ich WERDE &#8222;Frau&#8220; aber nicht jetzt, du UND deinesgleichen&#8230; SIND&#8230; Im Moment mein kleinstes Problem. 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