{"id":103427,"date":"2022-08-11T10:41:50","date_gmt":"2022-08-11T10:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=103427"},"modified":"2022-08-11T12:53:31","modified_gmt":"2022-08-11T12:53:31","slug":"oemuer-dedigin-nerelerde-gecmis-goez-dedigin-neler-neler-goermues","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.gurbuz.net\/?p=103427","title":{"rendered":"\u00d6m\u00fcr dedi\u011fin nerelerde ge\u00e7mi\u015f, g\u00f6z dedi\u011fin neler neler g\u00f6rm\u00fc\u015f"},"content":{"rendered":"<p><strong>Cogito, ergo sum<\/strong><br \/>\n<img src=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/tagesspiegel\/25483266\/2-format6001.jpg?inIsFirst=true\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Verlierer im Leben, postum ein Gewinner!?<\/p>\n<p>\u201eRevolution\u00e4re sind das h\u00f6chste der menschlichen Gattung\u201c<br \/>\nChe Guevara<\/p>\n<p>Dies sollen seine Worte sein. Wie auch immer; lesen wir weiter:<\/p>\n<p>&#8222;Immanuel Kant<br \/>\nIdee zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht<\/p>\n<p>Eine Stelle unter den kurzen Anzeigen des zw\u00f6lften St\u00fccks der Gothaisschen Gel. Zeit. d. J., die ohne Zweifel aus meiner Unterredung mit einem durchreisenden Gelehrten genommen worden, n\u00f6thigt mir diese Erl\u00e4uterung ab, ohne die jene keinen begreiflichen Sinn haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&#8222;Berlinische Monatsschrift&#8220;, November 1784, S. 385-411<br \/>\nWas man sich auch in metaphysischer Absicht f\u00fcr einen Begriff von der Freiheit des Willens machen mag: so sind doch die Erscheinungen desselben, die menschlichen Handlungen, eben so wohl als jede andere Naturbegebenheit nach allgemeinen Naturgesetzen bestimmt. Die Geschichte, welche sich mit der Erz\u00e4hlung dieser Erscheinungen besch\u00e4ftigt, so tief auch deren Ursachen verborgen sein m\u00f6gen, l\u00e4\u00dft dennoch von sich hoffen: da\u00df, wenn sie das Spiel der Freiheit des menschlichen Willens im Gro\u00dfen betrachtet, sie einen regelm\u00e4\u00dfigen Gang derselben entdecken k\u00f6nne; und da\u00df auf die Art, was an einzelnen Subjecten verwickelt und regellos in die Augen f\u00e4llt, an der ganzen Gattung doch als eine stetig fortgehende, obgleich langsame Entwickelung der urspr\u00fcnglichen Anlagen derselben werde erkannnt werden k\u00f6nnen. So scheinen die Ehen, die daher kommenden Geburten und das Sterben, da der freie Wille des Menschen auf sie so gro\u00dfen Einflu\u00df hat, keiner Regel unterworfen zu sein, nach welcher man die Zahl derselben zum voraus durch Rechnung bestimmen k\u00f6nne; und doch beweisen die j\u00e4hrlichen Tafeln derselben in gro\u00dfen L\u00e4ndern, da\u00df sie eben so wohl nach best\u00e4ndigen Naturgesetzen geschehen, als die so unbest\u00e4ndigen Witterungen, deren Er\u00e4ugnis man einzeln nicht vorher bestimmen kann, die aber im Ganzen nicht ermangeln den Wachstum der Pflanzen, den Lauf der Str\u00f6me und andere Naturanstalten in einem gleichf\u00f6rmigen, ununterbrochenen Gange zu erhalten. Einzelne Menschen und selbst ganze V\u00f6lker denken wenig daran, da\u00df, indem sie, ein jedes nach seinem Sinne, und einer oft wider den anderen, ihre eigene Absicht verfolgen, sie unbemerkt an der Naturabsicht, die ihnen selbst unbekannt ist, als an einem Leitfaden fortgehen und an derselben Bef\u00f6rderung arbeiten, an welcher, selbst wenn sie ihnen bekannt w\u00fcrde, ihnen doch wenig gelegen sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Da die Menschen in ihren Bestrebungen nicht blo\u00df instinctm\u00e4\u00dfig wie Thiere und doch auch nicht wie vern\u00fcnftige Weltb\u00fcrger nach einem verabredeten Plane im Ganzen verfahren: so scheint auch keine planm\u00e4\u00dfige Geschichte (wie etwa von den Bienen oder den Bibern) von ihnen m\u00f6glich zu sein. Man kann sich eines gewissen Unwillens nicht erwehren, wenn man ihr Thun und Lassen auf der gro\u00dfen Weltb\u00fchne aufgestellt sieht und bei hin und wieder anscheinender Weisheit im Einzelnen doch endlich alles im Gro\u00dfen aus Thorheit, kindischer Eitelkeit, oft auch aus kindischer Bosheit und Zerst\u00f6rungssucht zusammengewebt findet: wobei man am Ende nicht wei\u00df, was man sich von unserer auf ihre Vorz\u00fcge so eingebildeten Gattung f\u00fcr einen Begriff machen soll. Es ist hier keine Auskunft f\u00fcr den Philosophen, als da\u00df, da er bei Menschen und ihrem Spiele im Gro\u00dfen gar keine vern\u00fcnftige eigene Absicht voraussetzen kann, er versuche, ob er nicht eine Naturabsicht in diesem widersinnigen Gange menschlicher Dinge entdecken k\u00f6nne; aus welcher von Gesch\u00f6pfen, die ohne eigenen Plan verfahren, dennoch eine Geschichte nach einem bestimmten Plane der Natur m\u00f6glich sei. \u2013 Wir wollen sehen, ob es uns gelingen werde, einen Leitfaden zu einer solchen Geschichte zu finden, und wollen es dann der Natur \u00fcberlassen, den Mann hervorzubringen, der im Stande ist, sie danach abzufassen. So brachte sie einen Kepler hervor, der die eccentrischen Bahnen der Planeten auf eine unerwartete Weise bestimmten Gesetzen unterwarf, und einen Newton, der diese Gesetze aus einer allgemeinen Naturursache erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Erster Satz.<br \/>\nAlle Naturanlagen eines Gesch\u00f6pfes sind bestimmt, sich einmal vollst\u00e4ndig und zweckm\u00e4\u00dfig auszuwickeln. Bei allen Thieren best\u00e4tigt dieses die \u00e4u\u00dfere sowohl, als innere oder zergliedernde Beobachtung. Ein Organ, das nicht gebraucht werden soll, eine Anordnung, die ihren Zweck nicht erreicht, ist ein Widerspruch in der teleologischen Naturlehre. Denn wenn wir von jenem Grundsatze abgehen, so haben wir nicht mehr eine gesetzm\u00e4\u00dfige, sondern eine zwecklos spielende Natur; und das trostlose Ungef\u00e4hr tritt an die Stelle des Leitfadens der Vernunft.<\/p>\n<p>Zweiter Satz.<br \/>\nAm Menschen (als dem einzigen vern\u00fcnftigen Gesch\u00f6pf auf Erden) sollten sich diejenigen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seiner Vernunft abgezielt sind, nur in der Gattung, nicht aber im Individuum vollst\u00e4ndig entwickeln. Die Vernunft in einem Gesch\u00f6pfe ist ein Verm\u00f6gen, die Regeln und Absichten des Gebrauchs aller seiner Kr\u00e4fte weit \u00fcber den Naturinstinct zu erweitern, und kennt keine Grenzen ihrer Entw\u00fcrfe. Sie wirkt aber selbst nicht instinctm\u00e4\u00dfig, sondern bedarf Versuche, \u00dcbung und Unterricht, um von einer Stufe der Einsicht zur andern allm\u00e4hlig fortzuschreiten. Daher w\u00fcrde ein jeder Mensch unm\u00e4\u00dfig lange leben m\u00fcssen, um zu lernen, wie er von allen seinen Naturanlagen einen vollst\u00e4ndigen Gebrauch machen solle; oder wenn die Natur seine Lebensfrist nur kurz angesetzt hat (wie es wirklich geschehen ist), so bedarf sie einer vielleicht unabsehlichen Reihe von Zeugungen, deren eine der andern ihre Aufkl\u00e4rung \u00fcberliefert, um endlich ihre Keime in unserer Gattung zu derjenigen Stufe der Entwicklung zu treiben, welche ihrer Absicht vollst\u00e4ndig angemessen ist. Und dieser Zeitpunkt mu\u00df wenigstens in der Idee des Menschen das Ziel seiner Bestrebungen sein, weil sonst die Naturanlagen gr\u00f6\u00dftentheils als vergeblich und zwecklos angesehen werden m\u00fc\u00dften; welches alle praktischen Prinzipien aufheben und dadurch die Natur, deren Weisheit in Beurteilung aller \u00fcbrigen Anstalten sonst zum Grundsatze dienen mu\u00df, am Menschen allein eines kindischen Spiels verd\u00e4chtig machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dritter Satz.<br \/>\nDie Natur hat gewollt: da\u00df der Mensch alles, was \u00fcber die mechanische Anordnung seines thierischen Daseins geht, g\u00e4nzlich aus sich selbst herausbringe und keiner anderen Gl\u00fcckseligkeit oder Vollkommenheit theilhaftig werde, als die er sich selbst frei von Instinct, durch eigene Vernunft, verschafft hat. Die Natur thut n\u00e4mlich nichts \u00fcberfl\u00fcssig und ist im Gebrauche der Mittel zu ihren Zwecken nicht verschwenderisch. Da sie dem Menschen Vernunft und darauf sich gr\u00fcndende Freiheit des Willens gab, so war das schon eine klare Anzeige ihrer Absicht in Ansehung seiner Ausstattung. Er sollte n\u00e4mlich nun nicht durch Instinct geleitet, oder durch anerschaffene Kenntni\u00df versorgt und unterrichtet sein; er sollte vielmehr alles aus sich selbst herausbringen. Die Erfindung seiner Nahrungsmittel, seiner Bedeckung, seiner \u00e4u\u00dferen Sicherheit und Verteidigung (wozu sie ihm weder die H\u00f6rner des Stiers, noch die Klauen des L\u00f6wen, noch das Gebi\u00df des Hundes, sondern blo\u00df H\u00e4nde gab), alle Erg\u00f6tzlichkeit, die das Leben angenehm machen kann, selbst seine Einsicht und Klugheit und sogar die Gutartigkeit seines Willens sollten g\u00e4nzlich sein eigen Werk sein. Sie scheint sich hier in ihrer gr\u00f6\u00dften Sparsamkeit selbst gefallen zu haben und ihre thierische Ausstattung so knapp, so genau auf das h\u00f6chste Bed\u00fcrfni\u00df einer anf\u00e4nglichen Existenz abgemessen zu haben, als wollte sie: der Mensch sollte, wenn er sich aus der gr\u00f6\u00dften Rohigkeit dereinst zur gr\u00f6\u00dften Geschicklichkeit, innerer Vollkommenheit der Denkungsart und (so viel auf Erden m\u00f6glich ist) dadurch zur Gl\u00fcckseligkeit empor gearbeitet haben w\u00fcrde, hievon das Verdienst ganz allein haben und es sich selbst nur verdanken d\u00fcrfen; gleich als habe sie es mehr auf seine vern\u00fcnftige Selbstsch\u00e4tzung, als auf ein Wohlbefinden angelegt. Denn in diesem Gange der menschlichen Angelegenheit ist ein ganzes Heer von M\u00fchseligkeiten, die den Menschen erwarten. Es scheint aber der Natur darum gar nicht zu thun gewesen zu sein, da\u00df er wohl lebe; sondern da\u00df er sich so weit hervorarbeite, um sich durch sein Verhalten des Lebens und des Wohlbefindens w\u00fcrdig zu machen. Befremdend bleibt es immer hiebei: da\u00df die \u00e4ltern Generationen nur scheinen um der sp\u00e4teren willen ihr m\u00fchseliges Gesch\u00e4ft zu treiben, um n\u00e4mlich diesen eine Stufe zu bereiten, von der diese das Bauwerk, welches die Natur zur Absicht hat, h\u00f6her bringen k\u00f6nnten; und da\u00df doch nur die sp\u00e4testen das Gl\u00fcck haben sollen, in dem Geb\u00e4ude zu wohnen, woran eine lange Reihe ihrer Vorfahren (zwar freilich ohne ihre Absicht) gearbeitet hatten, ohne doch selbst an dem Gl\u00fcck, das sie vorbereiteten, Anteil nehmen zu k\u00f6nnen. Allein so r\u00e4thselhaft dieses auch ist, so nothwendig ist es doch zugleich, wenn man einmal annimmt: eine Thiergattung soll Vernunft haben und als Klasse vern\u00fcnftiger Wesen, die insgesamt sterben, deren Gattung aber unsterblich ist, dennoch zu einer Vollst\u00e4ndigkeit der Entwickelung ihrer Anlagen gelangen.<\/p>\n<p>Vierter Satz.<br \/>\nDas Mittel, dessen sich die Natur bedient, die Entwickelung aller ihrer Anlagen zu Stande zu bringen, ist der Antagonism derselben in der Gesellschaft, so fern dieser doch am Ende die Ursache einer gesetzm\u00e4\u00dfigen Ordnung derselben wird. Ich verstehe hier unter dem Antagonism die ungesellige Geselligkeit des Menschen, d.i. den Hang derselben in Gesellschaft zu treten, der doch mit einem durchg\u00e4ngigen Widerstande, welcher diese Gesellschaft best\u00e4ndig zu trennen droht, verbunden ist. Hiezu liegt die Anlage offenbar in der menschlichen Natur. Der Mensch hat eine Neigung sich zu vergesellschaften: weil er in einem solchen Zustande sich mehr als Mensch, d.i. die Entwicklung seiner Naturanlagen, f\u00fchlt. Er hat aber auch einen gro\u00dfen Hang sich zu vereinzelnen (isolieren): weil er in sich zugleich die ungesellige Eigenschaft antrifft, alles blo\u00df nach seinem Sinne richten zu wollen, und daher allerw\u00e4rts Widerstand erwartet, so wie er von sich selbst wei\u00df, da\u00df er seinerseits zum Widerstande gegen andere geneigt ist. Dieser Widerstand ist es nun, welcher alle Kr\u00e4fte des Menschen erweckt, ihn dahin bringt seinen Hang zur Faulheit zu \u00fcberwinden und, getrieben durch Ehrsucht, Herrschsucht oder Habsucht, sich einen Rang unter seinen Mitgenossen zu verschaffen, die er nicht wohl leiden, von denen er aber auch nicht lassen kann. Da geschehen nun die ersten wahren Schritte aus der Rohigkeit zur Kultur, die eigentlich in dem gesellschaftlichen Werth des Menschen besteht; da werden alle Talente nach und nach entwickelt, der Geschmack gebildet und selbst durch fortgesetzte Aufkl\u00e4rung der Anfang zur Gr\u00fcndung einer Denkungsart gemacht, welche die grobe Naturanlage zur sittlichen Unterscheidung mit der Zeit in bestimmte praktische Principien und so eine pathologisch-abgedrungene Zusammenstimmung zu einer Gesellschaft endlich in ein moralisches Ganze verwandeln kann. Ohne jene an sich zwar eben nicht liebensw\u00fcrdige Eigenschaften der Ungeselligkeit, woraus der Widerstand entspringt, den jeder bei seinen selbsts\u00fcchtigen Anma\u00dfungen notwendig antreffen mu\u00df, w\u00fcrden in einem arkadischen Sch\u00e4ferleben bei vollkommener Eintracht, Gen\u00fcgsamkeit und Wechselliebe alle Talente auf ewig in ihren Keimen verborgen bleiben: die Menschen, gutartig wie die Schafe, die sie weiden, w\u00fcrden ihrem Dasein kaum einen gr\u00f6\u00dferen Werth verschaffen, als dieses ihr Hausvieh hat; sie w\u00fcrden das Leere der Sch\u00f6pfung in Ansehung ihres Zwecks, als vern\u00fcnftige Natur, nicht ausf\u00fcllen. Dank sei also der Natur f\u00fcr die Unvertragsamkeit, f\u00fcr die mi\u00dfg\u00fcnstig wetteifernde Eitelkeit, f\u00fcr die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben oder auch zum Herrschen! Ohne sie w\u00fcrden alle vortreffliche Naturanlagen in der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht; aber die Natur wei\u00df besser, was f\u00fcr seine Gattung gut ist: sie will Zwietracht. Er will gem\u00e4chlich und vergn\u00fcgt leben; die Natur will aber, er soll aus der L\u00e4ssigkeit und unt\u00e4tigen Gen\u00fcgsamkeit hinaus sich in Arbeit und M\u00fchseligkeiten st\u00fcrzen, um dagegen auch Mittel auszufinden, sich kl\u00fcglich wiederum aus den letztern heraus zu ziehen. Die nat\u00fcrlichen Triebfedern dazu, die Quellen der Ungeselligkeit und des durchg\u00e4ngigen Widerstandes, woraus so viele \u00dcbel entsprangen, die aber doch auch wieder zur neuen Anspannung der Kr\u00e4fte, mithin zu mehrerer Entwickelung der Naturanlagen antreiben, verrathen also wohl die Anordnung eines weisen Sch\u00f6pfers; und nicht etwa die Hand eines b\u00f6sartigen Geistes, der in seine herrliche Anstalt gepfuscht oder sie neidischer Weise verderbt habe.<\/p>\n<p>F\u00fcnfter Satz.<br \/>\nDas gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr die Menschengattung, zu dessen Aufl\u00f6sung die Natur ihn zwingt, ist die Erreichung einer allgemein das Recht verwaltenden b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Da nur in der Gesellschaft und zwar derjenigen, die die gr\u00f6\u00dfte Freiheit, mithin einen durchg\u00e4ngigen Antagonism ihrer Glieder und doch die genauste Bestimmung und Sicherung der Grenzen dieser Freiheit hat, damit sie mit der Freiheit anderer bestehen k\u00f6nne, \u2013 da nur in ihr die h\u00f6chste Absicht der Natur, n\u00e4mlich die Entwickelung aller ihrer Anlagen, in der Menschheit erreicht werden kann, die Natur auch will, da\u00df sie diesen so wie alle Zwecke ihrer Bestimmung sich selbst verschaffen solle: so mu\u00df eine Gesellschaft, in welcher Freiheit unter \u00e4u\u00dferen Gesetzen im gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Grade mit unwiderstehlicher Gewalt verbunden angetroffen wird, d.i. eine vollkommen gerechte b\u00fcrgerliche Verfassung, die h\u00f6chste Aufgabe der Natur f\u00fcr die Menschengattung sein, weil die Natur nur vermittelst der Aufl\u00f6sung und Vollziehung derselben ihre \u00fcbrigen Absichten mit unserer Gattung erreichen kann. In diesen Zustand des Zwanges zu treten, zwingt den sonst f\u00fcr ungebundene Freiheit so sehr eingenommenen Menschen die Not; und zwar die gr\u00f6\u00dfte unter allen, n\u00e4mlich die, welche sich Menschen unter einander selbst zuf\u00fcgen, deren Neigungen es machen, da\u00df sie in wilder Freiheit nicht lange neben einander bestehen k\u00f6nnen. Allein in einem solchen Gehege, als b\u00fcrgerliche Vereinigung ist, thun eben dieselben Neigungen hernach die beste Wirkung: so wie B\u00e4ume in einem Walde eben dadurch, da\u00df ein jeder dem andern Luft und Sonne zu benehmen sucht, einander n\u00f6thigen beides \u00fcber sich zu suchen und dadurch einen sch\u00f6nen geraden Wuchs bekommen; statt da\u00df die, welche in Freiheit und von einander abgesondert ihre \u00c4ste nach Wohlgefallen treiben, kr\u00fcppelig, schief und krumm wachsen. Alle Cultur und Kunst, welche die Menschheit ziert, die sch\u00f6nste gesellschaftliche Ordnung sind Fr\u00fcchte der Ungeselligkeit, die durch sich selbst gen\u00f6tigt wird sich zu disciplinieren und so durch abgedrungene Kunst die Keime der Natur vollst\u00e4ndig zu entwickeln.<\/p>\n<p>Sechster Satz.<br \/>\nDieses Problem ist zugleich das schwerste und das, welches von der Menschengattung am sp\u00e4testen aufgel\u00f6set wird. Die Schwierigkeit, welche auch die blo\u00dfe Idee dieser Aufgabe schon vor Augen legt, ist diese: der Mensch ist ein Tier, das, wenn es unter andern seiner Gattung lebt, einen Herrn n\u00f6thig hat. Denn er mi\u00dfbraucht gewi\u00df seine Freiheit in Ansehung anderer Seinesgleichen; und ob er gleich als vern\u00fcnftiges Gesch\u00f6pf ein Gesetz w\u00fcnscht, welches der Freiheit Aller Schranken setze: so verleitet ihn doch seine selbsts\u00fcchtige thierische Neigung, wo er darf, sich selbst auszunehmen. Er bedarf also einen Herrn, der ihm den eigenen Willen breche und ihn n\u00f6tige, einem allgemeing\u00fcltigen Willen, dabei jeder frei sein kann, zu gehorchen. Wo nimmt er aber diesen Herrn her? Nirgend anders als aus der Menschengattung. Aber dieser ist eben so wohl ein Thier, das einen Herrn n\u00f6thig hat. Er mag es also anfangen, wie er will; so ist nicht abzusehen, wie er sich ein Oberhaupt der \u00f6ffentlichen Gerechtigkeit verschaffen k\u00f6nne, das selbst gerecht sei; er mag dieses nun in einer einzelnen Person, oder in einer Gesellschaft vieler dazu auserlesener Personen suchen. Denn jeder derselben wird immer seine Freiheit mi\u00dfbrauchen, wenn er keinen \u00fcber sich hat, der nach den Gesetzen \u00fcber ihn Gewalt aus\u00fcbt. Das h\u00f6chste Oberhaupt soll aber gerecht f\u00fcr sich selbst und doch ein Mensch sein. Diese Aufgabe ist daher die schwerste unter allen; ja ihre vollkommene Aufl\u00f6sung ist unm\u00f6glich; aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden. Nur die Ann\u00e4herung zu dieser Idee ist uns von der Natur auferlegtDie Rolle des Menschen ist also sehr k\u00fcnstlich. Wie es mit den Einwohnern anderer Planeten und ihrer Natur beschaffen sei, wissen wir nicht; wenn wir aber diesen Auftrag der Natur gut ausrichten, so k\u00f6nnen wir uns wohl schmeicheln, da\u00df wir unter unseren Nachbaren im Weltgeb\u00e4ude einen nicht geringen Rang behaupten d\u00fcrften. Vielleicht mag bei diesen ein jedes Individuum seine Bestimmung in seinem Leben v\u00f6llig erreichen. Bei uns ist es anders; nur die Gattung kann dieses hoffen.. Da\u00df sie auch diejenige sei, welche am sp\u00e4testen ins Werk gerichtet wird, folgt \u00fcberdem auch daraus: da\u00df hiezu richtige Begriffe von der Natur einer m\u00f6glichen Verfassung, gro\u00dfe durch viel Weltl\u00e4ufe ge\u00fcbte Erfahrenheit und \u00fcber alles ein zur Annehmung derselben vorbereiteter guter Wille erfordert wird; drei solche St\u00fccke aber sich sehr schwer und, wenn es geschieht, nur sehr sp\u00e4t, nach viel vergeblichen Versuchen, einmal zusammen finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Siebenter Satz.<br \/>\nDas Problem der Errichtung einer vollkommnen b\u00fcrgerlichen Verfassung ist von dem Problem eines gesetzm\u00e4\u00dfigen \u00e4u\u00dferen Staatsverh\u00e4ltnisses abh\u00e4ngig und kann ohne das letztere nicht aufgel\u00f6st werden. Was hilfts, an einer gesetzm\u00e4\u00dfigen b\u00fcrgerlichen Verfassung unter einzelnen Menschen, d.i. an der Anordnung eines gemeinen Wesens, zu arbeiten? Dieselbe Ungeselligkeit, welche die Menschen hiezu n\u00f6thigte, ist wieder die Ursache, da\u00df ein jedes gemeine Wesen in \u00e4u\u00dferem Verh\u00e4ltnisse, d.i. als ein Staat in Beziehung auf Staaten, in ungebundener Freiheit steht, und folglich einer von dem andern eben die \u00dcbel erwarten mu\u00df, die die einzelnen Menschen dr\u00fcckten und sie zwangen in einen gesetzm\u00e4\u00dfigen b\u00fcrgerlichen Zustand zu treten. Die Natur hat also die Unvertragsamkeit der Menschen, selbst der gro\u00dfen Gesellschaften und Staatsk\u00f6rper dieser Art Gesch\u00f6pfe wieder zu einem Mittel gebraucht, um in dem unvermeidlichen Antagonism derselben einen Zustand der Ruhe und Sicherheit auszufinden; d.i. sie treibt durch die Kriege, durch die \u00fcberspannte und niemals nachlassende Zur\u00fcstung zu denselben, durch die Noth, die dadurch endlich ein jeder Staat selbst mitten im Frieden innerlich f\u00fchlen mu\u00df, zu anf\u00e4nglich unvollkommenen Versuchen, endlich aber nach vielen Verw\u00fcstungen, Umkippungen und selbst durchg\u00e4ngiger innerer Ersch\u00f6pfung ihrer Kr\u00e4fte zu dem, was ihnen die Vernunft auch ohne so viel traurige Erfahrung h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich: aus dem gesetzlosen Zustande der Wilden hinaus zu gehen und in einen V\u00f6lkerbund zu treten; wo jeder, auch der kleinste Staat seine Sicherheit und Rechte nicht von eigener Macht, oder eigener rechtlichen Beurteilung, sondern allein von diesem gro\u00dfen V\u00f6lkerbunde (Foedus Amphictyonum), von einer vereinigten Macht und von der Entscheidung nach Gesetzen des vereinigten Willens erwarten k\u00f6nnte. So schw\u00e4rmerisch diese Idee auch zu sein scheint und als eine solche an einem Abb\u00e9 von St. Pierre oder Rousseau verlacht worden (vielleicht, weil sie solche in der Ausf\u00fchrung zu nahe glaubten): so ist es doch der unvermeidliche Ausgang der Noth, worein sich Menschen einander versetzen, die die Staaten zu eben der Entschlie\u00dfung (so schwer es ihnen auch eingeht) zwingen mu\u00df, wozu der wilde Mensch eben so ungern gezwungen ward, n\u00e4mlich: seine brutale Freiheit aufzugeben und in einer gesetzm\u00e4\u00dfigen Verfassung Ruhe und Sicherheit zu suchen. \u2013 Alle Kriege sind demnach so viel Versuche (zwar nicht in der Absicht der Menschen, aber doch in der Absicht der Natur), neue Verh\u00e4ltnisse der Staaten zu Stande zu bringen und durch Zerst\u00f6rung, wenigstens Zerst\u00fcckelung aller neue K\u00f6rper zu bilden, die sich aber wieder entweder in sich selbst oder neben einander nicht erhalten k\u00f6nnen und daher neue, \u00e4hnliche Revolutionen erleiden m\u00fcssen; bis endlich einmal theils durch die bestm\u00f6gliche Anordnung der b\u00fcrgerlichen Verfassung innerlich, theils durch eine gemeinschaftliche Verabredung und Gesetzgebung \u00e4u\u00dferlich ein Zustand errichtet wird, der, einem b\u00fcrgerlichen gemeinen Wesen \u00e4hnlich, so wie ein Automat sich selbst erhalten kann.<\/p>\n<p>Ob man es nun von einem epikurischen Zusammenlauf wirkender Ursachen erwarten solle, da\u00df die Staaten, so wie die kleinen St\u00e4ubchen der Materie durch ihren ungef\u00e4hren Zusammensto\u00df allerlei Bildungen versuchen, die durch neuen Ansto\u00df wieder zerst\u00f6rt werden, bis endlich einmal von ungef\u00e4hr eine solche Bildung gelingt, die sich in ihrer Form erhalten kann (ein Gl\u00fcckszufall, der sich wohl schwerlich jemals zutragen wird!); oder ob man vielmehr annehmen solle, die Natur verfolge hier einen regelm\u00e4\u00dfigen Gang, unsere Gattung von der unteren Stufe der Thierheit an allm\u00e4hlig bis zur h\u00f6chsten Stufe der Menschheit und zwar durch eigene, obzwar dem Menschen abgedrungene Kunst zu f\u00fchren, und entwickele in dieser scheinbarlich wilden Anordnung ganz regelm\u00e4\u00dfig jene urspr\u00fcnglichen Anlagen; oder ob man lieber will, da\u00df aus allen diesen Wirkungen und Gegenwirkungen der Menschen im Gro\u00dfen \u00fcberall nichts, wenigstens nichts Kluges herauskomme, da\u00df es bleiben werde, wie es von jeher gewesen ist, und man daher nicht voraus sagen k\u00f6nne, ob nicht die Zwietracht, die unserer Gattung so nat\u00fcrlich ist, am Ende f\u00fcr uns eine H\u00f6lle von \u00dcbeln in einem noch so gesitteten Zustande vorbereitete, indem sie vielleicht diesen Zustand selbst und alle bisherigen Fortschritte in der Cultur durch barbarische Verw\u00fcstung wieder vernichten werde (ein Schicksal, wof\u00fcr man unter der Regierung der blinden Ungef\u00e4hrs nicht stehen kann, mit welcher gesetzlose Freiheit in der That einerlei ist, wenn man ihr nicht einen insgeheim an Weisheit gekn\u00fcpften Leitfaden der Natur unterlegt!), das l\u00e4uft ungef\u00e4hr auf die Frage hinaus: ob es wohl vern\u00fcnftig sei, Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Naturanstalt in Teilen und doch Zwecklosigkeit im Ganzen anzunehmen. Was also der zwecklose Zustand der Wilden that, da\u00df er n\u00e4mlich alle Naturanlagen in unserer Gattung zur\u00fcck hielt, aber endlich durch die \u00dcbel, worin er diese versetzte, sie n\u00f6thigte, aus diesen Zustande hinaus und in eine b\u00fcrgerliche Verfassung zu treten, in welcher alle jene Keime entwickelt werden k\u00f6nnen, das thut auch die barbarische Freiheit der schon gestifteten Staaten, n\u00e4mlich: da\u00df durch die Verwendung aller Kr\u00e4fte der gemeinen Wesen auf R\u00fcstungen gegen einander, durch die Verw\u00fcstungen, die der Krieg anrichtet, noch mehr aber durch die Notwendigkeit sich best\u00e4ndig in Bereitschaft dazu zu erhalten zwar die v\u00f6llige Entwicklung der Naturanlagen in ihrem Fortgange gehemmt wird, dagegen aber auch die \u00dcbel, die daraus entspringen, unsere Gattung n\u00f6thigen, zu dem an sich heilsamen Widerstande vieler Staaten neben einander, der aus ihrer Freiheit entspringt, ein Gesetz des Gleichgewichts auszufinden und eine vereinigte Gewalt, die demselben Nachdruck gibt, mithin einen weltb\u00fcrgerlichen Zustand der \u00f6ffentlichen Staatssicherheit einzuf\u00fchren, der nicht ohne alle Gefahr sei, damit die Kr\u00e4fte der Menschheit nicht einschlafen, aber doch auch nicht ohne ein Prinzip der Gleichheit ihrer wechselseitigen Wirkung und Gegenwirkung, damit sie einander nicht zerst\u00f6ren. Ehe dieser letzte Schritt (n\u00e4mlich die Staatenverbindung) geschehen, also fast nur auf der H\u00e4lfte ihrer Ausbildung, erduldet die menschliche Natur die h\u00e4rtesten \u00dcbel unter dem betr\u00fcglichen Anschein \u00e4u\u00dferer Wohlfahrt; und Rousseau hatte so Unrecht nicht, wenn er den Zustand der Wilden vorzog, so bald man n\u00e4mlich diese letzte Stufe, die unsere Gattung noch zu ersteigen hat, wegl\u00e4\u00dft. Wir sind im hohen Grade durch Kunst und Wissenschaft cultivirt. Wir sind civilisirt bis zum \u00dcberl\u00e4stigen zu allerlei gesellschaftlicher Artigkeit und Anst\u00e4ndigkeit. Aber uns schon f\u00fcr moralisirt zu halten, daran fehlt noch sehr viel. Denn die Idee der Moralit\u00e4t geh\u00f6rt noch zur Cultur; der Gebrauch dieser Idee aber, welcher nur auf das Sitten\u00e4hnliche in der Ehrliebe und der \u00e4u\u00dferen Anst\u00e4ndigkeit hinausl\u00e4uft, macht blos die Civilisirung aus. So lange aber Staaten alle ihre Kr\u00e4fte auf ihre eiteln und gewaltsamen Erweiterungsabsichten verwenden und so die langsame Bem\u00fchung der inneren Bildung der Denkungsart ihrer B\u00fcrger unaufh\u00f6rlich hemmen, ihnen selbst auch alle Unterst\u00fctzung in dieser Absicht entziehen, ist nichts von dieser Art zu erwarten: weil dazu eine lange innere Bearbeitung jedes gemeinen Wesens zur Bildung seiner B\u00fcrger erfordert wird. Alles Gute aber, das nicht auf moralisch-gute Gesinnung gepropft ist, ist nichts als lauter Schein und schimmerndes Elend. In diesem Zustande wird wohl das menschliche Geschlecht verbleiben, bis es sich auf die Art, wie ich gesagt habe, aus dem chaotischen Zustande seiner Staatsverh\u00e4ltnisse herausgearbeitet haben wird.<\/p>\n<p>Achter Satz.<br \/>\nMan kann die Geschichte der Menschengattung im Gro\u00dfen als die Vollziehung eines verborgenen Plans der Natur ansehen, um eine innerlich- und zu diesem Zwecke auch \u00e4u\u00dferlich-vollkommene Staatsverfassung zu Stande zu bringen, als den einzigen Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit v\u00f6llig entwickeln kann. Der Satz ist eine Folgerung aus dem vorigen. Man sieht: die Philosophie k\u00f6nne auch ihren Chiliasmus haben; aber einen solchen, zu dessen Herbeif\u00fchrung ihre Idee, obgleich nur sehr von weitem, selbst bef\u00f6rderlich werden kann, der also nichts weniger als schw\u00e4rmerisch ist. Es kommt nur darauf an, ob die Erfahrung etwas von einem solchen Gange der Naturabsicht entdecke. Ich sage: etwas Weniges; denn dieser Kreislauf scheint so lange Zeit zu erfordern, bis er sich schlie\u00dft, da\u00df man aus dem kleinen Theil, den die Menschheit in dieser Absicht zur\u00fcckgelegt hat, nur eben so unsicher die Gestalt ihrer Bahn und das Verh\u00e4ltni\u00df der Theile zum Ganzen bestimmen kann, als aus allen bisherigen Himmelsbeobachtungen den Lauf, den unsere Sonne samt dem ganzen Heere ihrer Trabanten im gro\u00dfen Fixsternsystem nimmt; obgleich doch aus dem allgemeinen Grunde der systematischen Verfassung des Weltbaues und aus dem Wenigen, was man beobachtet hat, zuverl\u00e4ssig genug, um auf die Wirklichkeit eines solchen Kreislaufs zu schlie\u00dfen. Indessen bringt es die menschliche Natur so mit sich: selbst in Ansehung der allerentferntesten Epoche, die unsere Gattung treffen soll, nicht gleichg\u00fcltig zu sein, wenn sie nur mit Sicherheit erwartet werden kann. Vornehmlich kann es in unserem Falle um desto weniger geschehen, da es scheint, wir k\u00f6nnten durch unsere eigene vern\u00fcnftige Veranstaltung diesen f\u00fcr unsere Nachkommen so erfreulichen Zeitpunkt schneller herbeif\u00fchren. Um deswillen werden uns selbst die schwachen Spuren der Ann\u00e4herung desselben sehr wichtig. Jetzt sind die Staaten schon in einem so k\u00fcnstlichen Verh\u00e4ltnisse gegen einander, da\u00df keiner in der inneren Cultur nachlassen kann, ohne gegen die andern an Macht und Einflu\u00df zu verlieren; also ist, wo nicht der Fortschritt, dennoch die Erhaltung dieses Zwecks der Natur selbst durch die ehrs\u00fcchtigen Absichten derselben ziemlich gesichert. Ferner: b\u00fcrgerliche Freiheit kann jetzt auch nicht sehr wohl angetastet werden, ohne den Nachtheil davon in allen Gewerben, vornehmlich dem Handel, dadurch aber auch die Abnahme der Kr\u00e4fte des Staats im \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse zu f\u00fchlen. Diese Freiheit geht aber allm\u00e4hlig weiter. Wenn man den B\u00fcrger hindert, seine Wohlfahrt auf alle ihm selbst belibiege Art, die nur mit der Freiheit anderer zusammen bestehen kann, zu suchen: so hemmt man die Lebhaftigkeit des durchg\u00e4ngigen Betriebs und hiemit wiederum die Kr\u00e4fte des Ganzen. Daher wird die pers\u00f6nliche Einschr\u00e4nkung in seinem Thun und Lassen immer mehr aufgehoben, die allgemeine Freiheit der Religion nachgegeben; und so entspringt allm\u00e4hlich mit unterlaufendem Wahne und Grillen Aufkl\u00e4rung, als ein gro\u00dfes Gut, welches das menschliche Geschlecht sogar von der selbsts\u00fcchtigen Vergr\u00f6\u00dferungsabsicht seiner Beherrscher ziehen mu\u00df, wenn sie nur ihren eigenen Vortheil verstehen. Diese Aufkl\u00e4rung aber und mit ihr auch ein gewisser Herzensantheil, den der aufgekl\u00e4rte Mensch am Guten, das er vollkommen begreift, zu nehmen nicht vermeiden kann, mu\u00df nach und nach bis zu den Thronen hinauf gehen und selbst auf ihre Regierungsgrunds\u00e4tze Einflu\u00df haben. Obgleich z.B. unsere Weltregierer zu \u00f6ffentlichen Erziehungsanstalten und \u00fcberhaupt zu allem, was das Weltbeste betrifft, f\u00fcr jetzt kein Geld \u00fcbrig haben, weil alles auf den k\u00fcnftigen Krieg schon zum Voraus verrechnet ist: so werden sie doch ihren eigenen Vortheil darin finden, die obzwar schwachen und langsamen eigenen Bem\u00fchungen ihres Volkes in diesem St\u00fccke wenigstens nicht zu hindern. Endlich wird selbst der Krieg allm\u00e4hlig nicht allein ein so k\u00fcnstliches, im Ausgange von beiden Seiten so unsicheres, sondern auch durch die Nachwehen, die der Staat in einer immer anwachsenden Schuldenlast (einer neuen Erfindung) f\u00fchlt, deren Tilgung unabsehlich wird, ein so bedenkliches Unternehmen, dabei der Einflu\u00df, den jede Staatsersch\u00fctterung in unserem durch seine Gewerbe so sehr verketteten Welttheil auf alle anderen Staaten thut, so merklich: da\u00df sich diese, durch ihre eigene Gefahr gedrungen, obgleich ohne gesetzliches Ansehen, zu Schiedsrichtern anbieten und so alles von weitem zu einem k\u00fcnftigen gro\u00dfen Staatsk\u00f6rper anschicken, wovon die Vorwelt kein Beispiel aufzuzeigen hat. Obgleich dieser Staatsk\u00f6rper f\u00fcr jetzt nur noch sehr im rohen Entwurfe dasteht, so f\u00e4ngt sich dennoch gleichsam schon ein Gef\u00fchl in allen Gliedern, deren jedem an der Erhaltung des Ganzen gelegen ist, an zu regen; und dieses giebt Hoffnung, da\u00df nach manchen Revolutionen der Umbildung endlich das, was die Natur zur h\u00f6chsten Absicht hat, ein allgemeiner weltb\u00fcrgerlicher Zustand, als der Schoo\u00df, worin alle urspr\u00fcnglichen Anlagen der Menschengattung entwickelt werden, dereinst einmal zu Stande kommen werde.<\/p>\n<p>Neunter Satz.<br \/>\nEin philosophischer Versuch, die allgemeine Weltgeschichte nach einen Plane der Natur, der auf die vollkommene b\u00fcrgerliche Vereinigung in der Menschengattung abziele, zu bearbeiten, mu\u00df als m\u00f6glich und selbst f\u00fcr diese Naturabsicht bef\u00f6rderlich angesehen werden. Es ist zwar ein befremdlicher und dem Anscheine nach ungereimter Anschlag, nach einer Idee, wie der Weltlauf gehen m\u00fc\u00dfte, wenn er gewissen vern\u00fcnftigen Zwecken angemessen sein sollte, eine Geschichte abfassen zu wollen; es scheint, in einer solchen Absicht k\u00f6nnte nur ein Roman zu Stande kommen. Wenn man indessen annehmen darf: da\u00df die Natur selbst im Spiele der menschlichen Freiheit nicht ohne Plan und Endabsicht verfahre, so k\u00f6nnte diese Idee doch wohl brauchbar werden; und ob wir gleich zu kurzsichtig sind, den geheimen Mechanism ihrer Veranstaltung zu durchschauen, so d\u00fcrfte diese Idee uns doch zum Leitfaden dienen, ein sonst planloses Aggregat menschlicher Handlungen wenigstens im Gro\u00dfen als ein System darzustellen. Denn wenn man von der griechischen Geschichte \u2013 als derjenigen, wodurch uns jede andere \u00e4ltere oder gleichzeitige aufbehalten worden, wenigstens beglaubigt werden mu\u00dfNur ein gelehrtes Publicum, das von seinem Anfange an bis zu uns ununterbrochen fortgedauert hat, kann die alte Geschichte beglaubigen. \u00dcber dasselbe hinaus ist alles terra incognita; und die Geschichte der V\u00f6lker, die au\u00dfer demselben lebten, kann nur von der Zeit angefangen werden, da sie darin eintraten. Dies geschah mit dem j\u00fcdischen Volk zur Zeit der Ptolem\u00e4er durch die griechische Bibel\u00fcbersetzung, ohne welche man ihren isolierten Nachrichten wenig Glauben beimessen w\u00fcrde. Von da (wenn dieser Anfang vorerst geh\u00f6rig ausgemittelt worden) kann man aufw\u00e4rts ihren Erz\u00e4hlungen nachgehen. Und so mit allen \u00fcbrigen V\u00f6lkern. Das erste Blatt im Thukydides (sagt Hume) ist der einzige Anfang aller wahren Geschichte.\u2013 anhebt; wenn man derselben Einflu\u00df auf die Bildung und Mi\u00dfbildung des Staatsk\u00f6rpers des r\u00f6mischen Volks, das den griechischen Staat verschlang, und des letzteren Einflu\u00df auf die Barbaren, die jenen wiederum zerst\u00f6rten, bis auf unsere Zeit verfolgt; dabei aber die Staatengeschichte anderer V\u00f6lker, so wie deren Kenntni\u00df durch eben diese aufgekl\u00e4rten Nationen allm\u00e4hlig zu uns gelangt ist, episodisch hinzuthut: so wird man einen regelm\u00e4\u00dfigen Gang der Verbesserung der Staatsverfassung in unserem Welttheile (der wahrscheinlicher Weise allen anderen dereinst Gesetze geben wird) entdecken. Indem man ferner allenthalben nur auf die b\u00fcrgerliche Verfassung und deren Gesetze und auf das Staatsverh\u00e4ltnis Acht hat, in so fern beide durch das Gute, welches sie enthielten, eine Zeitlang dazu dienten, V\u00f6lker (mit ihnen auch K\u00fcnste und Wissenschaften) empor zu heben und zu verherrlichen, durch das Fehlerhafte aber, das ihnen anhing, sie wiederum zu st\u00fcrzen, so doch, da\u00df immer ein Keim der Aufkl\u00e4rung \u00fcbrig blieb, der, durch jede Revolution mehr entwickelt, eine folgende noch h\u00f6here Stufe der Verbesserung vorbereitete: so wird sich, wie ich glaube, ein Leitfaden entdecken, der nicht blo\u00df zur Erkl\u00e4rung des so verworrenen Spiels menschlicher Dinge, oder zur politischen Wahrsagerkunst k\u00fcnftiger Staatsver\u00e4nderungen dienen kann (ein Nutzen, den man schon sonst aus der Geschichte der Menschen, wenn man sie gleich als unzusammenh\u00e4ngende Wirkung einer regellosen Freiheit ansah, gezogen hat!); sondern es wird (was man, ohne einen Naturplan vorauszusetzen, nicht mit Grunde hoffen kann) eine tr\u00f6stende Aussicht in die Zukunft er\u00f6ffnet werden, in welcher die Menschengattung in weiter Ferne vorgestellt wird, wie sie sich endlich doch zu dem Zustande empor arbeitet, in welchem alle Keime, die die Natur in sie legte, v\u00f6llig k\u00f6nnen entwickelt und ihre Bestimmung hier auf Erden kann erf\u00fcllt werden. Eine solche Rechtfertigung der Natur \u2013 oder besser der Vorsehung \u2013 ist kein unwichtiger Bewegungsgrund, einen besonderen Gesichtspunkt der Weltbetrachtung zu w\u00e4hlen. Denn was hilfts, die Herrlichkeit und Weisheit der Sch\u00f6pfung im vernunftlosen Naturreiche zu preisen und der Betrachtung zu empfehlen, wenn der Theil des gro\u00dfen Schauplatzes der obersten Weisheit, der von allem diesem den Zweck enth\u00e4lt, \u2013 die Geschichte des menschlichen Geschlechts \u2013 ein unaufh\u00f6rlicher Einwurf dagegen bleiben soll, dessen Anblick uns n\u00f6thigt unsere Augen von ihm mit Unwillen wegzuwenden und, indem wir verzweifeln jemals darin eine vollendete vern\u00fcnftige Absicht anzutreffen, uns dahin bringt, sie nur in einer andern Welt zu hoffen?<\/p>\n<p>Da\u00df ich mit dieser Idee einer Weltgeschichte, die gewisserma\u00dfen einen Leitfaden a priori hat, die Bearbeitung der eigentlichen blo\u00df empirisch abgefa\u00dften Historie verdr\u00e4ngen wollte: w\u00e4re Mi\u00dfdeutung meiner Absicht; es ist nur ein Gedanke von dem, was ein philosophischer Kopf (der \u00fcbrigens sehr geschichtskundig sein m\u00fc\u00dfte) noch aus einem anderen Standpunkte versuchen k\u00f6nnte. \u00dcberdem mu\u00df die sonst r\u00fchmliche Umst\u00e4ndlichkeit, mit der man jetzt die Geschichte seiner Zeit abfa\u00dft, doch einen jeden nat\u00fcrlicher Weise auf die Bedenklichkeit bringen: wie es unsere sp\u00e4ten Nachkommen anfangen werden, die Last von Geschichte, die wir ihnen nach einigen Jahrhunderten hinterlassen m\u00f6chten, zu fassen. Ohne Zweifel werden sie die der \u00e4ltesten Zeit, von der ihnen die Urkunden l\u00e4ngst erloschen sein d\u00fcrften, nur aus dem Gesichtspunkte dessen, was sie interessiert, n\u00e4mlich desjenigen, was V\u00f6lker und Regierungen in weltb\u00fcrgerlicher Absicht geleistet oder geschadet haben, sch\u00e4tzen. Hierauf aber R\u00fccksicht zu nehmen, imgleichen auf die Ehrbegierde der Staatsoberh\u00e4upter sowohl als ihrer Diener, um sie auf das einzige Mittel zu richten, das ihr r\u00fchmliches Andenken auf die sp\u00e4teste Zeit bringen kann: das kann noch \u00fcberdem einen kleinen Bewegungsgrund zum Versuche einer solchen philosophischen Geschichte abgeben.&#8220;<\/p>\n<p>https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/kant\/absicht\/absicht.html<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"What is Quantum Cryptography? An Introduction\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_5NQf8k3Jo0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nothing is secure on this world nothing&#8230;<br \/>\nThe right man to the right time&#8230;<br \/>\nAND!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/a\/a8\/%D0%9A%D0%BE%D0%BD%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D1%82%D0%B8%D0%BD_%D0%A6%D0%B8%D0%BE%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9.jpg\/800px-%D0%9A%D0%BE%D0%BD%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D1%82%D0%B8%D0%BD_%D0%A6%D0%B8%D0%BE%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"348\" \/><br \/>\nKonstantin Eduardowitsch Ziolkowski im Jahre 1924<\/p>\n<p>Ein RUS&#8230;<br \/>\nUntersch\u00e4tzt NIEMALS die russischen Wissenschaftler, wenn ihr w\u00fcstet&#8230;<br \/>\nAlles, nein vieles im t\u00fcrkischen nachzulesen&#8230;<br \/>\nUnd ja&#8230;<br \/>\nIch w\u00fcrde auch die T\u00fcrken nicht untersch\u00e4tzen die Deutschen&#8230;<br \/>\nDer BEWEIS&#8230;<br \/>\nIST vielfach erbracht! <\/p>\n<p>Ich hatte es gestern den Griechischen gesagt\u2026<br \/>\nAuch ich beherrsche die Kunst der Byzantiner, mein Name ist NICHT Tayyip\u2026<br \/>\nDie AMerikaner, die Engl\u00e4nder m\u00fcssten es langsam auch begriffen haben.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&#8222;Spionageflug mit Folgen \u2013 Am 1. Mai 1960 wurde U-2-Pilot Francis Gary Powers abgeschossen<br \/>\nImmer wieder sorgten Spionageoperationen bei ihrer Aufdeckung international f\u00fcr politische Krisen. In einer Hochzeit des Kalten Kriegs war es der Abschuss eines US-Spionageflugzeugs \u00fcber dem Gebiet der Sowjetunion, welcher monatelang die Schlagzeilen beherrschte. Das Finale des Spionagedramas fand in Berlin statt, als nach langen Verhandlungen der Pilot Francis Gary Powers auf der Glienicker Br\u00fccke bei einem Agentenaustausch freikam.&#8220;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"kUjoZkKOC4\"><p><a href=\"https:\/\/www.deutsches-spionagemuseum.de\/2021\/05\/01\/spionageflug-mit-folgen-am-1-mai-1960-wurde-u-2-pilot-francis-gary-powers-abgeschossen\">Spionageflug mit Folgen \u2013 Am 1. Mai 1960 wurde U-2-Pilot Francis Gary Powers abgeschossen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Spionageflug mit Folgen \u2013 Am 1. Mai 1960 wurde U-2-Pilot Francis Gary Powers abgeschossen&#8220; &#8212; Deutsches Spionagemuseum\" src=\"https:\/\/www.deutsches-spionagemuseum.de\/2021\/05\/01\/spionageflug-mit-folgen-am-1-mai-1960-wurde-u-2-pilot-francis-gary-powers-abgeschossen\/embed#?secret=vdM1Fi9JUE#?secret=kUjoZkKOC4\" data-secret=\"kUjoZkKOC4\" width=\"525\" height=\"296\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>ALLES&#8230;<br \/>\nAusf\u00fchrlich im t\u00fcrkischen erz\u00e4hlt, die U2&#8230;<br \/>\nWurde abgescho\u00dfen ABER WIE?<br \/>\n\ud83d\ude42<br \/>\nWenn ihr das Video \u00fcber Raketen euch aufmerksam anschaut dann wist ihr wie. Die AMerkaner&#8230;<br \/>\ndie Engl\u00e4nder haltensich f\u00fcr super schlau ABER die anderen sind auch nicht dumm.<\/p>\n<p>Seid froh&#8230;<br \/>\nIch BIN alt und &#8222;grau&#8220;<br \/>\nSeid froh dar\u00fcber!<\/p>\n<p>BITTE versucht zu verstehen, zu viel gesehen&#8230;<br \/>\nZu lang&#8230;<br \/>\nViel Zuviel&#8230;<br \/>\nZu lange geschwiegen!<\/p>\n<p>Versucht zu verstehen DENN diesmal kann es ganz B\u00f6se ins Auge gehen, GANZ B\u00d6SE!?<\/p>\n<p>Es GIBT Zuf\u00e4lle&#8230;<br \/>\nAber es GIBT KEINE Serie davon und diesmal&#8230;<br \/>\nALLES&#8230;<br \/>\nInerhalb k\u00fcrzester Zeit, dass kann nicht sein.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cogito, ergo sum Verlierer im Leben, postum ein Gewinner!? \u201eRevolution\u00e4re sind das h\u00f6chste der menschlichen Gattung\u201c Che Guevara Dies sollen seine Worte sein. 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